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Leipziger Buchmesse 2010

Comics, Karrieretag und was sonst noch so war

Auch dieses Jahr war wieder Leipziger Buchmesse angesagt. Rund 2100 Aussteller aus insgesamt 39 Ländern präsentierten ihre Lösungen rund um das Buch - und natürlich jede Menge Bücher - in der Zeit vom 18. bis 21. März in den Leipziger Messehallen. Einen Schwerpunkt bildete dieses Jahr unter anderem das Thema Digitalisierung. Neu war der eigene Ausstellungsbereich für Musikverlage.

Viel könnte man über die Leipziger Buchmesse schreiben, allerdings gleicht sich das zumeist mit dem, was man sowieso in den Medien über die Leipziger Buchmesse zu lesen bekommt: Wer waren die Preisträger? Welche Prominenten waren vor Ort? All dies könnte auch in diesem Artikel abgehandelt werden - wird es aber nicht. Stattdessen werden individuelle Schwerpunkte näher beleuchtet: Comics, Lesungen und der Karrieretag.

Comics auf der Buchmesse? Ja, die gibt es tatsächlich. Untergebracht in einer Halle mit den Bildungsverlagen und dem Fantasy- und Rollenspielbereich drängen sich ein paar deutsche Comicverlage. Dominiert wird der Comicbereich vom Panini-Verlag, aber auch kleinere Verlage konnten ihr Programm zwischen Cosplayern, Rollenspielern und "normalen" Messebesuchern präsentieren. Leider ist zwar Programm für Nicht-Manga-Fans vorhanden, jedoch geht dies unter all den Cosplayern, Manga-Merchandise und japanischen Teezeremonien unter. Geht man nach dem Programm von "Comics in Leipzig", so spielen "westliche" Comics scheinbar auf dem Markt eine mehr als untergeordnete Rolle. Auch wenn man zwischenzeitlich wissenswertes über Comics in der DDR erfahren konnte, fühlte man sich als Fan von Spider-Man&Co dennoch dezent fehl am Platze. Eigentlich schade.

Aber nicht nur für Bücherwürmer und Leseratten gab es viel zu sehen - auch für noch eventuell orientierungslose, bald Berufstätige gab es interessante und vielfältige Informationsveranstaltungen. In Kooperation mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels präsentiert die Leipziger Buchmesse Verleger und Buchhändler, die entweder im direkten Gespräch oder in Diskussionsrunden Rede und Antwort zum Thema Buch und Medien standen. Außerdem waren auch diverse Universitätsverlage vertreten und es wurden Studiengänge rund um Buch- und Verlagswesen vorgestellt.
Eine Veranstaltung drehte sich zum Beispiel um das Thema "Das neue Wir-Gefühl in der Kundenbindung". Hauptsächlich war dies eine Veranstaltung für Berufstätige des Buchhandels, aber auch für Neueinsteiger oder Unerfahrene interessant. Wie nahezu überall sind Facebook, Twitter und Co. auch hier von Bedeutung. Viel dreht sich um das "auf-Du-und-Du-sein" zwischen Anbieter und Kunden. Wer also nah am Kunden und up-to-date sein will, braucht mindestens ein Profil auf Facebook, Twitter oder auch einen eigenen Blog.
Dabei ist es wohl auch wichtig, nicht nur PR über diese Plattformen zu machen, sondern auch einfach nur mal "belanglose" Informationen rauszugeben, damit eine persönlichere Bindung entsteht. Erkenntnisse, die nicht wirklich neu sind, auf die Branchenkenner aber viel Wert zu legen scheinen. Stellt sich noch die Frage, wie die Kunden auf die vermehrte Präsenz von Verlagen und Buchhändlern in Social Networks reagieren.
Die Programmpunkte für Berufs- und Quereinsteiger setzten weniger auf Vorträge als auf Diskussionen und aktive Fragestellungen von Seiten des Publikums. Mit Tipps und Anregungen für eine aussagekräftige Bewerbung wurde dieser Programmteil gestaltet, ebenso wie mit der Vorstellung der verschiedenen Berufsfelder rund um das Buch.

Alles in allem kann man sagen: Wenn man den Karrieretag besuchen möchte, sollte man:
  • sich vorher gut über die einzelnen Programmpunkte informieren,
  • keine Angst haben, Fragen zu stellen und
  • selbstbewusst genug sein, um den Raum vor Ende des Programmpunktes zu verlassen, sollte es doch nicht das Richtige sein.

Außerhalb der Programmpunkte stehen natürlich auch die Vertreter der Verlage an den Ständen bereit, um Fragen zu beantworten.
Auffällig waren die Meinungen einzelner Verleger zur aktuellen Situation in der deutschen Buchlandschaft. Frau Timme vom Verlag Franke und Timme zum Beispiel ist gar nicht zufrieden, was diverse Verlage und selbst ernannte Literaten angeht. "Zu viele Möchtegern-Prominente überschwemmen den Buchmarkt und deklarieren somit das Buch zum Massenunterhaltungsmedium, wenn von zahllosen Bettgeschichten und 'pseudo-spirituellen' Erfahrungen die Rede ist." Ihrer Meinung nach müsse der Begriff des Buches neu definiert werden.

Auch die Debatte um E-Reader und E-Books reißt nicht ab. Manche schaffen es kaum dem großen Bedarf an digital aufbereiteten Lesestoff nachzukommen. Ein Trend also, der wie erwartet noch weiter steigt.
Doch das echte Buch zum Anfassen lässt sich nicht so einfach verdrängen und genügend Bibliophile drängten sich auch dieses Jahr wieder in die Messebuchhandlungen und durch die Regale des Antiquariats. Vor allem die Messebuchhandlung der Jugendliteratur war gut besucht. Wie schon im letzten Jahr, dominierte vor allem das Genre der Fantasyliteratur mit etlichen Vampiren, Werwölfen und anderen mystischen Figuren die Bücherstapel. Ohne Ellenbogenschützer sollte man sich in diese Abteilung jedenfalls nicht wagen...

Besondere Highlights boten dieses Jahr natürlich wieder die verschiedenen Lesungen und Vorträge, auch wenn das, was der Titel versprach, nicht immer gehalten wurde. So ließ sich der Vortrag "Vom Versagen deutscher Hochschulen und ihrer Rettung: Plädoyer zur Neugestaltung zukunftsweisender Unis" von Wolf Wagner trotz guter Ansätze dann doch eher in der Kategorie "unpraktisch und unausgegoren" ansiedeln, und das, obwohl der Vortragende selbst aus dem Bildungsbetrieb stammt. Hier gilt dann auch "Mut zum Gehen" zu haben. Besser war da schon die Vorstellung des Buchs von Willi Lemke, der mittlerweile als Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sportfragen agiert. Leider litt die Buchvorstellung hier stark darunter, dass der Moderator sich auf Lemkes Werdegang als Manager bei Werder Bremen konzentrierte - sicher ein nicht uninteressantes Thema, aber eben nicht das Thema des Buchs.
In der Kategorie "Kontraste zwischen Beteiligten einer Lesung" schoss Cory Doctorow den Vogel ab. Der kanadische Autor teilte sich seine Lesungszeit mit seinem Übersetzer, der - ohne ihm zu nahe treten zu wollen - kein begnadeter Leser ist. Mit monotoner, leicht nasaler Stimme eine Fast-Sex-Szene vorzulesen ist...nicht so toll. Doctorow, der die zweite Hälfte der Zeit in Anspruch nahm, fuhr da deutlich besser mit Veränderungen sowohl in Lautstärke als auch Geschwindigkeit. Das dürfte den Leipziger Schülern, die wohl auch um ihre Aufgabenzettel zu erfüllen in der Lesung saßen sicher etwas besser gefallen haben - trotz des englischen Texts. Gelesen wurde übrigens aus Little Brother, das von der Kritik zum Teil als modernes "1984" gefeiert wurde. Veröffentlicht wurde unter Creative Commons, es kann sich also jeder selbst sein Bild machen.
Magdeburger Dozenten fanden übrigens auch ihren Weg zur Buchmesse, und mancher war sogar anwesend, ohne da zu sein, weil er bei Lesungen erwähnt wurde. Die Uni Magdeburg ist halt keine Insel, auch wenn man mitunter den Eindruck hat.

Insgesamt kann man zwar eine positive Bilanz der Buchmesse 2010 ziehen - auch die Besucherzahl ging um 9000 nach oben auf nun 156.000 Besucher - allerdings die 2009er Buchmesse qualitativ etwas besser, was die Lesungen und Veranstaltungen angeht. So zumindest unser Eindruck. Aber wie so oft gilt auch hier: Your mileage may vary.

[Dieser Artikel wurde geschrieben von madcynic, Künstlerin1608, Butterfly und Flint. Bilder stammen von Flint.]
geschrieben von Flint am 28.03.2010