WebUni Hannover WebUni Frankfurt/Main WebUni Magdeburg

Etwas mehr Begeisterung, bitte!

Rückschau auf die 3. Nacht der Literatur

"Literatur bewegt" war das Motto der diesjährigen Nacht der Literatur, organisiert im Rahmen eines Seminars am Institut für Germanistik der Magdeburger Universität. Ein vielfältiges und eindrucksvolles Programm sollte geboten werden, doch leider war häufig nur die Organisation und Planung eindrucksvoll. Eindrucksvoll schlecht und das fast vier Stunden lang. Wer wusste, dass ein ganzes Seminar mit der Planung und Durchführung beauftragt war, der fragte sich unwillkürlich, wo die Kontrolle durch die Lehrkraft war.

Die Beiträge zur 3. Nacht der Literatur, welche am 11. Juni in der Scheune des Moritzhofes stattfand, waren wirklich vielfältig und an sich gab es an den meisten Beiträgen nichts auszusetzen. Jedoch merkte man dem Programm und der Planung schnell starke Schwächen an, die dem Zuhörer den Genuß der Beiträge verleideten.
Ein paar Worte zum Programm. Der erste Hauptbeitrag des Abends und zugleich wohl auch längste Beitrag im gesamten Programm war Sartres "Geschlossene Gesellschaft", aufgeführt von der gleichnamigen, extra für diesen Abend gegründeten Gruppe. Knapp eine Stunde lang, für manche sicherlich etwas zu lang für den Einstieg, spielten Philipp Bittkau, Denis Fabian, Anne Hähner und Jana Schuppe vor den knapp 120 Gästen im Moritzhof. Und sie spielten an sich überzeugend, wenn auch manchmal etwas zu leise. Doch auch andere Beiträge mochten auf ihre Art überzeugen, wie zum Beispiel "Franz Kafka - ein bewegender Autor". Fast völlig improvisiert, freier Text, freie Bewegung, aber doch in sich stimmig, wenn auch "schwere Kost". So schwer, dass mancher sich fühlte wie beim Betrachten moderner Kunst - einiges versteht man, anderes dagegen... Bei einigen Beiträgen hingegen hatte man manchmal das Gefühl, dass die Literatur eher stelzt oder sich sogar mit Händen und Füßen dagegen wehrt, bewegt zu werden - oder originell zu sein. Eine interessante Abwechslung bot dabei Ferdinand Weidinger mit seinem Saxophon. Sowohl bei der Untermalung einzelner Passagen der "Geschlossenen Gesellschaft", als auch als Untermalung zur spontan eingefügten Lesung Brecht'scher Liebeslyrik durch Oliver Scheer.

Der trotzdem überwiegend negative Eindruck, den der Abend hinterließ, wurde sicher unterstützt, wenn nicht sogar hervorgerufen, durch die merklich schlechte Organisation des Abends. Geprobt wurde der Abend scheinbar nicht, zumindest nicht am Stück, und wenn doch, so müssen die Verantwortlichen währenddessen geschlafen haben. So stimmig und passend viele der insgesamt elf Beiträge für sich genommen waren, so unpassend waren sie im Zusammenhang. Kein roter Faden, kein vereinendes Thema führte die Zuschauer durch den Abend. Auch die Moderation, die in regelmäßigen Abständen Ausblicke auf das Programm und die Abfolge gab, vermochte nichts daran zu ändern, dass der Zuhörer von einer Gattung zur nächsten und von einem Thema ins andere gerissen wurde. Man kann es so machen, man sollte es sich aber vorher gut überlegen. Hier wurde es, übrigens wie bei der letzten Nacht der Literatur auch, gemacht, aber ob dies vorher bewusst (mit allen Konsequenzen) überlegt wurde darf wohl bezweifelt werden. Dies ist vor allem in Hinblick auf die Beiträge schade, denen man eine Liebe zur Literatur und einen Spaß an der Sache anmerkte. Schade aus dem Grund, weil eben diese Beiträge unter dem drumherum litten. Gute Schauspieler und begeisterte Akteure können die Vorstellung nicht retten, wenn der Regisseur, oder in diesem Fall die Lehrkraft des Seminars, es an einer "starken Hand" und einer einenden Idee mangeln lässt, welche aus vielen Einzelnen ein harmonisches Ganzes werden lässt. In diesem Zusammenhang sollte allerdings auch erwähnt werden, dass leider nur sehr wenige Dozenten des Instituts für Germanistik an der Veranstaltung teilnahmen. Sei es als Gast, als Beitragender oder hinter den Kulissen. Im Jahr 2003 lieferten vier Institutsmitarbeiter einen mehr oder weniger aktiven Beitrag, dieses Jahr nur zwei. Anwesend waren insgesamt fünf Mitarbeiter.
Neben diesem fehlenden roten Faden störten vor allem "kleinere" Fehler und Unstimmigkeiten. So hatten manche Beitragende kein Mikrofon und versuchten nur mit ihren zarten Stimmchen gegen Musik anzukommen. Wobei es grundsätzlich nicht unbedingt eine gute Idee ist einen Text zu rezitieren und nebenher einen Popsong laufen zu lassen, wenn daraus ein "Stimmengewirr" entsteht. Oder aber die mehr als schlecht eingestellte Tonanlage, die die Höhen in den Liedern Stefan Müllers in, nun, ungeahnte und zum Teil sehr unangenehme Höhen katapultierte. Beim Beitrag von Stefan Müller ergab sich auch noch das Problem, dass dieser ursprünglich kurz vor der einzigen Pause des Abends spielen sollte, dann aber wegen einer Verspätung erst nach der Pause spielte. Verspätungen können vorkommen, aber so begann der zweite Teil des Abends leider mit einem sehr nachdenklichen und langsamen Beitrag. Etwas mehr Schwung wäre da wünschenswert gewesen.

Die konzeptionellen Schwächen des Abends wirkten sich auch recht deutlich auf die Zuschauerzahlen aus. Begann der Abend noch mit ca. 120 Gästen, so waren es nach der Pause nur noch knapp 60, was sich im Laufe des Abends noch weiter nach unten korrigierte. Hier spielte sicher auch eine gewisse Ungewissheit von Seiten der Zuhörer eine Rolle, denn leider gab es am Abend kein Programm, so dass nicht abzusehen war, welche Beiträge noch kommen und wie lange die Veranstaltung überhaupt dauern würde. So kam schon dem Beitrag "Feuermärchen" von Robert Friedrich wohl nicht die gebührende Aufmerksamkeit zu und der "mittelhochdeutsche Teil", für den extra die "Liederknechte" aus Magdeburg engagiert wurden, fand nur noch vor einem Bruchteil der ursprünglichen Zuschauer statt. Dabei wurde gerade dieser Teil von vielen als der lustigste und entspannteste angesehen.
Trotz aller Kritik bleibt trotzdem zu hoffen, dass es auch im nächsten Jahr wieder eine Nacht der Literatur gibt. Dann nur bitte mit einem besseren, abgestimmteren Konzept.
geschrieben von Flint am 12.06.2009