Vor dem Spiel gegen den Hamburger SV skandierten Teile der Fans bereits beim Aufwärmen der Mannschaft "Derbyversager", um dann beim Auflaufen ein Plakat hochzuhalten, in dem die Spieler als austauschbar bezeichnet wurden. Dass es nach dem dritten verlorenen Derby gegen den Halleschen FC zu Unmutsäußerungen kommen würde, war klar, aber in dieser scharfen Form hatte wohl niemand sie erwartet. Dennoch ging der FCM zunächst offensiv durchaus couragiert zu Werke und ging bereits in der 8. Minute durch Gewelke nach Ecke Racanel in Führung. Diese Führung verlie dem Spiel des FCM aber keineswegs Sicherheit. Die neuformierte Innenverteidigung Prest-Gewelke (Rosin war gesperrt, Wejsfelt erkrankt) übertraf sich in Einladungen an den Gegner. Und so kam es wie es kommen musste: Gewelke ließ einen Hamburger ziehen und in der 35. Minute stand es nur noch 1-1 unentschieden. Das Pfeifkonzert zur Halbzeit hatte sich die Mannschaft denn auch redlich verdient.Trainer Linz reagierte, brachte zur Halbzeit Neumann für den schwachen Prest, so dass Bankert in die Mitte rückte. Er hätte wohl auch Gewelke ausgewechselt, allein es war kein Innenverteidiger mehr übrig. Das Spiel verbesserte sich nicht wesentlich, Magdeburg war weiterhin bemüht, die Hamburger lauerten auf Konter. In der 69. Minute allerdings machten die HSV-Bubis einen Fehler, als sie Magdeburg einen Freistoß in idealer Position verschafften. Vujanovic, der in Halle ja noch am Pfosten scheiterte, trat an und zirkelte den Ball um die Mauer herum in die Maschen. Dank dieses Tors und gehörigen Glück in der Hamburger Schlussoffensive, als Beer aus zwei Metern der Ball direkt auf die Brust geköpft wurde, gewann der 1. FCM das Spiel und schob sich wieder auf zwei Punkte an den Halleschen FC heran.
Nach dem Spiel zog die Mannschaft dann die Konsequenz aus Pfeifkonzert, Transparent und Derbyversager und ging grußlos in die Kabine.
Vor dem nächsten Spiel bei Hertha BSC II gab der DFB dann die Strafempfehlung für die Vorkommnisse in Halle bekannt: Zuschauerbegrenzung auf 5.000 Zuschauer im nächsten Heimspiel und 5.000 Euro Geldstrafe für den FCM, 7.500 Euro Geldstrafe für den Halleschen FC. Der HFC akzeptierte das Urteil, der FCM legte hingegen Widerspruch ein. Dennoch entschloss man sich in der Clubführung zu einer Reaktion und erteilte der Ultra-Gruppe "Next Generation" ei Hausverbot bis zum Ende der Serie. Diese Art Sippenhaft führte in der Fanszene zu heftigen Reaktionen, die großteils aus Ablehnung bestanden. So kam es noch vor dem Spiel in Berlin zu einer erklärenden Stellungnahme des Präsidenten, in der den Ultras die Aufhebung des Hausverbots in Aussicht gestellt wurde, wenn sie sich a) von der Anwendung von Pyrotechnik distanzierten, und b) der Wille zur Kompensierung des dadurch entstandenen Schadens erkennbar sei. Bis dato ist über eine Reaktion aus Ultra-Kreisen nichts bekannt. Das Spiel in Berlin geriet für den Club zum Desaster. Kiel hatte tags zuvor nur unentschieden gespielt, bei einem Sieg hätte der Abstand also auf erträglichere 4 Punkte verkürzt werden können. Aber schon in der dritten Minute machte die erneut umformierte Innenverteidigung des Clubs keine gute Figur, als Zander den Berliner Riedel einfach ziehen ließ und der auch Torhüter Beer zum 1-0 überwand. Eine Trotzreaktion der Mannschaft ließ lange auf sich warten, erst in den letzten 10 Minuten (wie schon gegen Halle) erarbeiteten sich die Magdeburger Chancen, aber (wie schon gegen Halle) nützte das nichts mehr. Magdeburg verlor mit 0-1, die mitgereisten Fans verspotteten die Spieler, Kiel war auf 7 Punkte weg und Trainer Linz entdeckte die Vorzüge des Zwei-Jahr-Plans.
Vor dem Spiel gegen Wolfsburgs Zweite gab der DFB dann das veränderte Sportgerichtsurteil bekannt. Keine Geldstrafe, die Zuschauerreduzierung bleibt aber bestehen. Nur 5.500 Magdeburger dürfen am Sonntag ins Stadion, zusätzlich gehen noch 500 Gästekarten an den VfL Wolfsburg. Zusätzlich bleiben die Stehplatzbereiche geschlossen. Kartenvorverkauf erfolgt nur gegen Angabe der Personalien, eine Tageskasse gibt es nicht. Für Dauerkartenbesitzer aus Block 1+2 heißt das, dass sie Zugang zu den Sitzplatzblöcken 3-6 erhalten. Sportlich regiert beim FCM ab sofort das Prinzip Hoffnung. Man hofft, der Club möge gewinnen und alle anderen mögen verlieren. Und man hofft, dass das hinreichend oft passiert, damit man sich nicht noch ein Jahr Granaten wie Oberneuland antun muss, sondern zu Granaten wie Sandhausen fahren darf. Der VfL Wolfsburg liegt mit 29 Punkten auf Platz 8 der Tabelle und gehört auch z den Wundertüten. Wie stark der Überraschungsfaktor ist, wird sich am Sonntag zeigen - Fakt ist, die Bundesliga pausiert, da könnte man die Reserve ganz gut verstärken.
Was das Verhältnis Fans und Verein angeht, versucht der Verein die Wogen zu glätten. Die Vereinsführung war gestern im neuen Fanprojekt zu Gast und durfte sich dort nochmals massive Kritik am Vorgehen nach dem Halle-Spiel anhören. Gleichzeitig wurde aber auch klargemacht, dass es nur gemeinsam, Verein mit Fans, gelingen können, den Club nach vorn zu bringen.
Als weiteren Beleg für die Absicht des Präsidiums, eventuell entstandene Gräben schnell zuzuschütten, kann das Statement zur Berichterstattung der Volksstimme gewertet werden. Dort wurde der Eindruck erweckt, Najeh Braham hätte wegen der massiven Fankritik innerlich bereits mit dem Verein abgeschlossen. Dem trat der Präsident entgegen und versicherte, dass die Aussagen Brahams aus dem Zusammenhang gerissen wurden und der Tunesier auch weiterhin mit vollem Einsatz für den FCM spielen wird.
