Was ist Jabber?
Im Jabber-Netzwerk kann man Sofortnachrichten austauschen. Es ist sozusagen ein Instant Messenger ähnlich ICQ oder dem Windows Messenger. Es gibt eine Kontaktliste und man kann mit seinen Freunden chatten.
Ich hab' doch schon ICQ, warum noch ein Instant Messenger?
Jabber hat gegenüber den Netzwerken kommerzieller Anbieter wie AOL (ICQ), Microsoft und Yahoo eine Reihe von Vorteilen. Neben rechtlichen und technischen Aspekten sind das auch ganz banale Gründe wie die Freiheit von Werbung.
Rechtlich unterscheidet sich Jabber gegenüber den großen Namen dadurch, dass man keine AGB akzeptieren muss, auch nicht implizit. Es ist ein freies Netzwerk, man kann sich den Anbieter aussuchen oder sogar sein eigener Anbieter sein. Das heißt, dass man sich keinen Bedingungen unterwerfen muss, die sich in den Geschäftsbedingungen von AOL und dergleichen finden [1], [2], [3], [4], [5], als da wären Übertragung der Rechte des Geschriebenen an den Anbieter, Recht auf Mitprotokollierung der Konversation und ähnliche Geschichten. [6]
Der wichtigste technische Vorteil ist: Das Jabber-Protokoll ist frei, so frei wie in »Freiheit«. Die Protokolle von AOL, Microsoft und Yahoo sind eher mit Freibier zu vergleichen. Man bekommt es kostenlos, aber man weiß nicht was drin ist, es kann sich jederzeit ändern oder ganz versiegen.
Brauche ich für Jabber ein neues Programm?
Wahrscheinlich nicht. Jabber wird von den verbreiteten Multi-Protokoll-Messengern bereits seit langem unterstützt. Dazu gehören Miranda, Pidgin, Kopete, Adium, iChat und Trillian Pro. Man fügt einfach seinen Jabber-Account hinzu und los geht's. Daneben gibt es auch reine Jabber-Clients wie beispielsweise Psi. Die meisten dieser Programme sind frei (OpenSource) und kostenlos.
Wo melde ich mich denn an?
Im Jabber-Netzwerk gibt es nicht nur einen Anbieter, sondern viele. Das macht das Netz sicher gegen globale Ausfälle, erfordert vom Nutzer aber auch die Wahl eines Anbieters.
Man kann grob zwischen zwei Sorten von Anbietern unterscheiden. Auf der einen Seite stehen da große Namen wie Google, web.de und GMX. Diese Firmen erlauben es, sich mit den Zugangsdaten seines Mail-Accounts im Jabber-Netzwerk einzuloggen. GoogleTalk und die Messenger von web.de, GMX und 1und1 sind nichts weiter als Jabber-Clients.
Daneben gibt es eine große Anzahl anderer Anbieter. Dort bekommt man seinen Account, indem man sich direkt in seinem Client-Programm einen Nutzernamen aussucht und beim Server anfragt, ob der noch frei ist. Das ganze geht leicht und schnell. Bekannte freie Server sind z.B. jabber.org, jabber.ccc.de oder swissjabber.ch.
Außerdem kann jeder, der einen Server im Internet betreibt, seinen eigenen Jabber-Server installieren. So können Firmen ihren Mitarbeitern beispielsweise einen Jabber-Account bereitstellen.
Wie sieht die Nutzerkennung bei Jabber aus?
Im Gegensatz zu den Nummern bei ICQ heißt die Nutzerkennung bei Jabber »ID«. Eine Jabber-ID sieht aus wie eine E-Mail-Adresse. Der vordere Teil vor dem @ ist der Nutzername, der Teil dahinter der des Jabber-Servers. So sind die IDs viel leichter zu merken als bei ICQ. Ein Beispiel: alex@antiblau.de ist meine Jabber-ID. »alex« ist der Nutzername, »antiblau.de« ist der Server.
Ist das denn alles auch sicher?
Grundsätzlich ja. Natürlich gehört ein gewisses Vertrauen gegenüber dem Anbieter dazu, aber darüber hinaus ist Jabber rein technisch auch sicherer als beispielsweise ICQ. Jabber unterstützt die verschlüsselte Kommunikation zum jeweiligen Jabber-Server und der Standard sieht optional auch eine Verschlüsselung der Nachrichten zwischen den Endnutzern über OpenPGP vor. In einem WLAN beispielsweise kann jeder vergleichsweise einfach Eure ICQ-Nachrichten mitlesen, während das durch die verschlüsselte Kommunikation zum Server bei Jabber nicht möglich ist. Gegenüber ICQ hat Jabber darüberhinaus auch den Vorteil, dass das Login-Kennwort nicht unverschlüsselt im Netz übertragen wird.
Hat Jabber auch Nachteile?
Es gibt ein paar kleinere Nachteile. Der erste hat damit zu tun, dass das Netz dezentralisiert aufgebaut ist. Das gesamte Netz ist zwar sicherer gegen Ausfall, die einzelnen Server können natürlich trotzdem streiken. Kleinere Anbieter können durchaus auch von der Bildfläche verschwinden.
Wenn man sein Passwort vergisst, hängt es vom Anbieter ab, ob man an seinen Account wieder rankommt. Da man sich direkt am Server anmeldet, besteht unter Umständen keine Möglichkeit dazu.
Dann ist da natürlich noch das Problem, dass viele Leute bei ICQ, MSN oder Yahoo bleiben wollen und dann nicht mehr erreichbar wären. Wenn man einen Multiprotokoll-Messenger wie Miranda oder Pidgin verwendet, ist das aber nicht so schlimm: Einfach Jabber parallel zu ICQ einrichten und Stück für Stück umziehen.
Ich habe noch weitere Fragen!
Dieser kurze Artikel kann natürlich nicht alle Fragen beantworten. Zum Glück gibt es im Internet sehr viele Informationen zum Thema. Ich möchte an dieser Stelle jabber.org und die sehr ausführliche deutsche Anleitung auf der Homepage von Kai Raven empfehlen.
Wer kürzere Fragen zu den einzelnen Programmen und deren Einrichtung hat, fragt am besten gleich hier im angeschlossenen Diskussionsthread. Wer Jabber einfach ausprobieren will, aber noch keine Kontakte hat, kann sich gern per Jabber an mich wenden: alex@antiblau.de
Das Jabber-Logo steht unter der Creative Commons Attribution Lizenz und gehört der Jabber Software Foundation, zu finden ist es bei Wikipedia.
7 Fragen zu Jabber

Wenn es um Instant Messaging geht, assozieren viele Leute sofort ICQ, eventuell noch den Microsoft- oder MSN-Messenger und den von Yahoo. Jabber ist eine ausgereifte freie Alternative und soll in diesem Artikel kurz vorgestellt werden.
geschrieben von LeSpocky am 15.02.2009