Am vergangenen Sonntag verpasste der FCM knapp den Sprung an die Tabellenspitze, da es Holstein Kiel gelang in Lübeck zu gewinnen. Der 1. FC Magdeburg musste daheim gegen den Chemnitzer FC antreten, und viele erwarteten eine schwere Partie, da Chemnitz nach einhelliger Meinung besser sei, als es die Tabellenposition aussagt. Und zumindest in Hälfte 1 erfüllte das Spiel auch diese Erwartungen, war Chemnitz nach Meinung des Magdeburger Trainers Paul Linz sogar besser als die Elbestädter.
Die Partie selbst begann mit einer Schrecksekunde. Nach einem Kopfballduell kam Magdeburgs Neumann so unglücklich auf, dass er sich einen Innenbandanriss zuzog und bereits in der 7. Minute durch Probst ersetzt werden musste. Verzichten mussten die Magdeurger ebenso auf Najeh Braham, der wegen des Tods seines Vaters nach Tunesien geflogen war. In der ersten Hälfte entspann sich ein interessantes, zum Teil überhart geführtes Spiel, in dem sich keine Mannschaft entscheidende Vorteile erarbeiten konnte. Als jedoch Vujanovic in der 27. Minute zum wiederholten Mal in Strafraumnähe umgerissen wurde (dafür gab es vom schwachen Schiedsrichter ebensowenig Gelb wie für ein absichtliches Handspiel wenige Minuten zuvor), trat Vujanovic den Freistoß scharf in den Strafraum und der abgefälschte Ball landete bei Reimann, der aus wenigen Metern zur 1-0-Führung traf. Chemnitz zeigte sich zwar nicht geschockt, kam, jedoch nicht zu entscheidenden Torchancen, so dass es auch mit 1-0 in die Halbzeit ging.
In der zweiten Hälfte sahen die etwa 10.700 Zuschauer so ziemlich den besten Fußball, den der FCM in dieser Saison bisher spielte. Zunächst erhöhte Vujanovi nach Klasse-Flanke von Dragusha per Kopf auf 2-0, dann war es 9 Minuten später, in der 59., Dragusha selbst, der mit schönem Solo zwei Chemnitzer überwand und mit einem genauen Flachschuss das 3-0 erzielte. Als zwei Minuten später Watzka vom Chemnitzer Keeper im Strafraum gelegt wurde und Racanel den Elfmeter verwandelte, war die Partie entschieden.
Der Chemnitzer Ehrentreffer gelang schließlich Boltze durch einen weiteren Strafstoß. Magdeburg sicherte mit diesem Sieg Platz 2 in der Tabelle und konnte sich von Verfolger Babelsberg weiter absetzen, denn die Filmstädter kamen nur zu einem torlosen Unentschieden bei Sachsen Leipzig, allerdings wurde ein reguläres Tor der Babelsberger nicht anerkannt.
Die Rückrunde beginnt nun mit der Partie gegen die Bundesligareserve von Hannover 96. Im neuen Jahr stehen dann die Spiele der Top 4 untereinander an. Dabei reist Magdeburg nach Kiel und Halle und empfängt Babelsberg. Umso wichtiger ist es, das Spiel gegen Hannover erfolgreich zu gestalten. Unter Flutlicht spielte der FCM in dieser Saison sehr erfolgreich, schlug Hertha, Lübeck und Energie Cottbus zu Hause und gewann in Leipzig. Auch die "Flutlichtspiele" gegen Hansa Rostock und Chemnitz entschied der Club zu seinen Gunsten. Der FCM muss am Freitag allerdings auf zwei Stammkräfte verzichten und so kräftig umstellen. Neben der erwähnten Verletzung von Neumann wird auch Silvio Bankert fehlen, der gegen Chemnitz seine fünfte gelbe Karte sah. Daher wird vermutlich Prest in die Innenverteidigung rücken, während Wejsfelt die linke Verteidigerposition besetzen wird. Probst wird vermutlich wie schon gegen Chemnitz auf rechts spielen. Wichtig ist hier, dass die beiden Innenverteidiger sich gut verstehen, denn gerade gegen die traditionell schnellen Stürmer der Reservemannschaften kann ein Pass in die Schnittstellen tödlich sein. Hannover 96 II ist ein Musterbeispiel für das Hauptproblem der Zweitvertretungen: Es mangelt an Konstanz. 7 Siegen stehen ebensoviele Niederlagen und drei Unentschieden entgegen. Auch das Hinspiel gegen den 1. FC Magdeburg ging verloren. Allerdings ist ein Vergleich beider Mannschaften anhand des ersten Spieltags wenig aussagekräftig, gerade der 1. FC Magdeburg hat sich seither in einigen Punkten stark verbessert. Im Gespräch mit der Volksstimme trat der Trainer der Hannoveraner, Andreas Bergmann (Ex-FC St. Pauli), Befürchtungen entgegen, Spieler aus der Bundesligamannschaft könnten die Zweite verstärken, schließlich sei ja jetzt Winterpause. Mithin wird der FCM nur mit den üblichen Jungprofis zu rechnen haben, die auf nahezu keine Einsatzzeiten in der ersten Mannschaft kommen. Dennoch bleibt das Spiel gegen Hannover eine schwere Aufgabe, obwohl nicht zu erwarten ist, dass sich die 96er nur hinten reinstellen und verteidigen werden. Mitspielende Mannschaften liegen den Magdeburgern ja doch besser als solche Zerstörer.
Am 20. Januar endet dann schon die fußballfreie Zeit in Magdeburg (sieht man von den traditionellen Hallenturnieren mal ab), denn dann steigt der so genannte Derby Cup im Stadion Magdeburg. Bei diesem Blitzturnier treten Gastgeber 1. FC Magdeburg, Drittligist Eintracht Braunschweig und Bundesligist VfL Wolfsburg im Modus jeder gegen jeden gegeneinander an. Das Turnier wird vom DSF live übertragen, so dass der FCM wieder mal in den Genuss deutschlandweiter Berichterstattung kommt. Tickets gibt es an den üblichen Vorverkaufsstellen zu Preisen von 6 bis 24 Euro.
