Seit nunmehr fünf Jahren bilden Veranstaltungen zum Jahrestag der Bombardierung Magdeburgs das zentrale Arbeitsthema der, aus der Kameradschaftsszene hervorgegangenen, neonazistischen „Initiative gegen das Vergessen“. War der Tag bis 1998 von Rechts eher durch Republikaner dominiert, nahmen ab 99 mehr und mehr Nazis abseits des städtischen Gedenkens an alljährlichen „Kranzniederlegungen“ und „Trauermärschen“ teil. 1998 kamen „nur“ knapp 15 Nazis zur städtischen Gedenkveranstaltung. 2002 versammelten sich auf einer, von der NPD angemeldeten, Trauerveranstaltung bereits etwa 200 bis 250 Nazis. In den Folgejahren beteiligten sich regelmäßig zwischen 300 bis 400 Nazis an den Veranstaltungen der Initiative. Zum 60igsten Jahrestag der Bombardierung im Jahr 2005 gab es mit 800 bis 1000 alte und neue Nazis den bislang größten Aufmarsch.
Aktionen zum 16. Januar sind mittlerweile in der lokalen rechten Szene fest tradiert und bilden eines der kontinuierlichsten Handlungsfelder.
Gegenaktivitäten
Bündnis gegen Rechts
Das lokale Bündnis gegen Rechts wird am 19. Januar mehrer Veranstaltungen durchführen. Neben den Aktionen am 19. Januar wird es aber über den ganzen Januar hinweg Vorträge, Filmvorführungen und mehr geben, die sich vielfältig mit dem Gedenken auseinandersetzen.
Zum 19. heißt es auf der Seite des BgR:
„Rechtsextreme Gruppen aus Sachsen-Anhalt mobilisieren seit Mitte Dezember zu einem Aufmarsch am 19. Januar 2008 nach Magdeburg. Hintergrund ist der 63. Jahrestag der Bombardierung der Stadt durch die Alliierten während des Zweiten Weltkriegs.Das Bündnis gegen Rechts Magdeburg ruft die Bürgerinnen und Bürger auf, sich an den friedlichen Protesten gegen den Missbrauch des Gedenkens durch Rechtsextreme zu beteiligen. Die Auftaktkundgebung findet am 19. Januar um 10.30 Uhr am Synagogenmahnmal in der Julius-Bremer-Straße statt. Um 13.00 Uhr ruft das Bündnis zu einer Mahnwache vor dem Westfriedhof in der Großen Diesdorfer Straße auf.“
Quelle: http://bgrmagdeburg.wordpress.com
(Die Zeiten werden sich vermutlich noch einmal ändern!)
16januar.tk
Die antifaschistische Initiative 16januar.tk mobilisiert unterdessen für eine Demonstration unter dem Motto "Geschichtsrevisionismus bekämpfen! Gegen kollektives Rotz und Wasser!" auf.
Treffpunkt für alle Interessierten ist ab 10 Uhr am Bahnhof Neustadt.
Im Aufruf der Initiative heißt es zum Nazigedenken: "Der im "Nazi-Gedenken" betriebene Geschichtsrevisionismus reißt, abseits der geschichtlichen Realität, die notwendig gewordene militärische Intervention gegen Nazideutschland aus dem Kontext, verklärt dadurch die Alliierten zu Kriegsverbrecher_innen und stellt Deutschland als deren Opfer dar. Diese Umdeutungsleistung gelingt nur durch die Relativierung oder direkte Leugnung der Verbrechen der nationalsozialistischen Gesellschaft und durch Ignoranz gegenüber ihren Opfern. Am markantesten schlägt sich dies immer wieder in der Leugnung der Shoa, bzw. ihrer Einzigartigkeit, nieder. So reden Nazis auch immer wieder gerne revisionistisch vom "Bombenholocaust" wenn es um die Bombenangriffe auf deutsche Städte geht. Wie zu erwarten, hat der Charakter des "Nazi-Gedenkens" letzten Endes nicht mehr viel mit der realen Geschichte zu tun, sondern ist eher ein abscheulicher "Mythos" von "sauberen Wehrmachtssoldaten", einer unschuldigen nationalsozialistischen Mehrheitsgesellschaft und "feigem alliierten Bombenterror Entsprechend ist neben Dresden auch Magdeburg ein fester Termin im Veranstaltungskalender der Nazis. "
aktuelle Infos und mehr gibt’s auf:
www.a-i-p.tk | www.16januar.tk | www.agea.blogsport.de | www.bgrmagdeburg.wordpress.com
weitere Termine
10. – 23. Januar 2008, Moritzhof
Film „Ich habe euch nicht vergessen - Simon Wiesenthals Leben und Vermächtnis“
10. – 30. Januar 2008, Moritzhof
Film „Am Ende kommen Touristen“
19. Januar 2008, 10.30 Uhr, Synagogenmahnmal Julius-Bremer-Straße
Auftaktkundgebung „Gesicht zeigen! Für eine demokratische und tolerante Stadt“ (Zeiten nur vorläufig)
19. Januar 2008, 13.30 Uhr, Haupteingang Westfriedhof Große Diesdorfer Straße
Mahnwache „Das Gestern im Heute begreifen“ (Zeiten nur vorläufig)
22. Januar 2008, 11.30 Uhr, einewelt haus
Lesung mit Klaus Kleinau "Im Gleichschritt, marsch"
24. Januar 2008, 19.00 Uhr, einewelt haus
Gesprächscafé "Mein Name ist Mensch" mit Hollmann & Lorenz zum Thema "Zivilcourage"
27. Januar 2008, 15.00 Uhr, Kulturhistorisches Museum
Ausstellungseröffnung „UNERWÜNSCHT - VERFOLGT – ERMORDET. Ausgrenzung und Terror während der nationalsozialistischen Diktatur in Magdeburg 1933 bis 1945“
27. Januar 2008, 18.00 Uhr, Offener Kanal
Filme und Zeitzeugengespräche anlässlich des Holocaustgedenktages
30. Januar 2008, 19.00 Uhr, opernhaus
Konzert und Pressepreis „Ton angeben. Gegen rechte Gewalt.“
30. Januar 2008, 20.00 Uhr, Caféte
Film "Der große Diktator"
8. Februar 2008, 15.00 Uhr, Straßenbahnendhaltestelle Neu-Olvenstedt
Wiedereinweihung des Gedenksteins für den ermordeten Punk Frank Böttcher
19. Februar 2008, 19.00 Uhr, einewelt haus
Podiumsdiskussion mit Innenminister Holger Hövelmann „Für und Wider des NPD-Verbots“
19. 01.08 - Geschichtsrevisionismus bekämpfen!
Veranstaltungskalender gegen rechts

Unter dem Motto "Ehrenvolles gedenken - statt Anpassung an den Zeitgeist !" ruft die neonazistische "Initiative gegen das Vergessen" seit einiger Zeit öffentlich für den 19. Januar zu einer Demonstration in Magdeburg auf.
Um 14 Uhr wollen sich alte und neue Nazis, Revanchisten und Revisionisten am Hauptbahnhof zu einem so genannten "Trauermarsch" durch die Stadt versammeln. Stadt, Bündnis gegen Rechts und antifaschistische Initiativen planen für den Tag zahlreiche Gegenaktivitäten.
geschrieben von Peter_Pan am 10.01.2008