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Blaubeersuppe und Salzgurken - Vätternrundan 2007

Seit 42 Jahren machen sich um Mittsommer Tausende Radfahrer in Motala daran, den zweitgrößten See Schwedens, Vättern, zu umrunden. Dabei sind 300 Kilometer durch eine sehr abwechslungsreiche Umgebung zurückzulegen. In diesem Jahr waren wir mit dabei Smile

Irgendwann letztes Jahr im Sommer stolperten ein Freund und ich über die Webseite der Rundfahrt - gelesen, angemeldet und nicht weiter dran gedacht. Anfang Mai dämmerte dann die Erkenntnis, dass wir vielleicht auch mal trainieren sollten. Die empfohlenen 1000 km bekamen wir natürlich nicht mehr annähernd zusammen. Trotzdem hatten wir ein gutes Gefühl. Donnerstag Nacht vor dem Rennen schnallten wir dann die Räder aufs Auto und machten uns auf den Weg zur Fähre und dann nach Motala. Beim Anblick des Vättern von der Autobahn bekamen wir dann schon einige Zweifel... da sollen wir also rumfahren Shocked



Bei der Rundfahrt starteten in diesem Jahr ca. 16500 Teilnehmer. Die Radler werden ab Freitag abend 20:00 alle zwei Minuten in Gruppen zu 60 Leuten auf die Strecke geschickt. Unsere Startzeit war um 00:54. Zur Mittsommernacht wird es am Vättern nachts nur etwa drei Stunden dämmerig aber nicht dunkel, so dass man ganz gut mit Fahrradbeleuchtung fahren kann.

In der Startbox stehend kamen dann die nächsten Zweifel... Mit unseren Trekkingrädern waren wir ziemliche Exoten zwischen den ganzen ultraleichten Rennrädern. Nach dem Start wurden wir von einem Motorrad zum Stadtrand von Motala eskortiert. Und dann ging es in die Dunkelheit - 300 km lagen vor uns. Die ersten zwei Stunden radelten wir also ruhig und frierend durch die sehr kalte Nacht. Alle zwei Minuten näherte sich von hinten ein Rauschen und um die 30-40 Rennräder sausten an uns vorbei. Das sollte bis zum Mittag so weitergehen...

Nach zwei Stunden erreichten wir dann Hästholmen, das erste Depot. Es folgte der erste Kontakt mit der Tourverpflegung: warme Blaubeersuppe (sehr lecker), schlabbrige aber vermutlich sehr leicht zu verdauende Brötchen, Salzgurken (irre salzig, aber irgendwie muss der Schweiss ja ersetzt werden Wink) und das Highlight dieser kalten Nacht: warmes Honigwasser *grin*


(Hinter Gränna auf dem Weg nach Huskvarna. Auf dem Bild sind zwei Autos zu sehen - eigentlich waren so gut wie keine privaten Autos unterwegs, obwohl die Strecke nicht gesperrt war!)

Nach 5 Stunden und 107 gefahrenen km dann die erste warme Mahlzeit in den Messehallen von Jönköping. Instant-Kartoffelpüree (puh...), Haferschleim und Bananen. Blaubeersuppe und Honigwasser gabs auch wieder Wink So richtig den Bauch vollschlagen konnten wir uns dann in Hjo, 70 km später. Die vegetarische Alternative zur Lasagne war Blätterteig mit Tomatenmatsch und... weissem Matsch. Undefinierbar aber köstlich! Dazu Cornflakes, Knäcke und kaltes Gemüse.

Mein persönliches Tief hatte ich kurz hinter Hjo, nach etwa 180 km, was vermutlich auch an meinem übervollen Magen lag. Plötzlich ging gar nichts mehr: die Beine streikten, der Nacken schmerzte und die Handgelenke brannten vor sich hin. Dazu kam dann Sekundenschlaf, so dass ich fast gestürzt wäre. Ein erholsames Schläfchen unter einer Birke im Straßengraben wirkte aber wahre Wunder, danach lief es viel besser.


(Im Depot Boviken bei noch bestem Wetter)

In den Hügelketten im Norden des Vättern nach etwa 200 km sollte sich zeigen, dass wir mit unseren Trekkingrädern echte Bergziegen sind und waren beliebte Windschattenspender für erschöpfte Rennradfahrer. Irgendwo an einem besonders steilen Hügel hörte ich dann plötzliche Synth-Orgel-Musik. Eine Gruppe der Zeugen Jehova hatte sich oben aufgebaut um die Radler mit relevanten Psalmen anzufeuern *grin*

Die Brücke über den Hammarsund markierte den Wendepunkt im Norden, von nun an ging es wieder nach Süden auf die letzten 40 km Richtung Motala.


Im Ziel lernte ich dann, dass eisgekühltes Bier nicht die cleverste Wahl auf einen erschöpften, mit Blaubeersuppe vollgepumpten Magen ist Silly Das konnte die Glücksgefühle aber nur kurzfristig beeinträchtigen.

Die Organisation ist unglaublich gut: an alles ist gedacht, so kann man zum Beispiel von jedem Depot Kleiung nach Motala schicken lassen, wenn man sie nicht mehr benötigt. Auf der Strecke waren eine Menge Begleitfahrzeuge unterwegs, die man bei Panne oder gesundheitlichen Problemen anhalten kann. Auch sonst hat alles einfach funktioniert - keine Selbstverständlichkeit bei 2500 (!) freiwilligen Helfern.

Wir haben es in knapp 20 Stunden ins Ziel geschafft und waren danach natürlich sehr müde. Nach einer Portion Nudeln im Ziel und der dringend nötigen Dusche verschwanden wir wortlos für 10 Stunden im Zelt. Für den ungeübten Hintern ist es trotz gepolsterter Radlerhose eine Tortur und meine Knie waren der klaren Meinung viel zuviel gearbeitet zu haben.

Was länger verbleibt, ist die Erinnerung an eine wunderbare Atmosphäre, viel schwedische Natur und die vielen kleinen netten Gespräche und Erlebnisse mit Mitradlern auf der Strecke. Fazit - wir planen schon die Taktik fürs nächste Jahr. Vielleicht sehen wir uns ja? Wink Denn wie heisst der Slogan der Rundfahrt: See you in Motala!

Webseite der Rundfahrt: www.vatternrundan.se
geschrieben von $DEL_1749 am 22.06.2007