Nach erfolgreicher Zwischenprüfung an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg bewarb ich mich im Frühjahr 2005 an verschiedenen Universitäten in Nord- und Ostdeutschland. Nach meiner Immatrikulation an der heutigen Leibniz-Universität, fand ich in Hannover eine neue Heimat. Da man hier als Student mittlerweile 737 Euro Semestergebühren und Studienbeiträge bezahlt (An dieser Stelle rufe ich stets erneut meine positive Erinnerung an die mehr als zehnfach niedrigeren Magdeburger Semesterbeiträge hervor), jedoch mit einem - in den Semesterausweis integrierten - Niedersachsenticket zeitlich unbegrenzt den gesamten niedersächsischen Regionalverkehr nutzen darf, hab ich im Verlauf meiner eineinhalbjährigen Aufenthaltszeit so manch versteckten Winkel Niedersachsens kennen gelernt.Dass sich dieses Ticket tatsächlich lohnen kann, stellt der geographisch interessierte Student schnell fest, wenn er sich auf einer Deutschlandkarte die enormen Ausmaße des Bundeslandes vergegenwärtigt: Ob Wintersport im Harz, spontaner Kurzurlaub an der Nordsee oder Shopping in Bremen oder Hamburg - ja selbst die Fahrt bis zur Grenze der Niederlanden - ist ohne finanziellen Aufwand jederzeit problemlos möglich.
Die Landeshauptstadt Hannover
Die mit Abstand größte Stadt Niedersachsens ist mit mehr als 500 000 Einwohnern die Landeshauptstadt Hannover. Nachdem Hannover - ähnlich wie Magdeburg - noch am Ende des zweiten Weltkrieges enorm zerstört wurde, schmücken heute einige architektonisch fragwürdige Betonfassaden aus der Frühzeit des Bundeslandes einzelne Teile der Innenstadt. Zwar verursacht dieser erste Eindruck fälschlicherweise oftmals eine negative Betrachtung bei Besuchern der Stadt, es lohnt sich jedoch genauer hinzuschauen: Spätestens seit Expo und Fußball-Weltmeisterschaft hat sich herumgesprochen, welche zahlreiche Qualitäten unsere Landeshauptstadt aufbieten kann: Im Gegensatz zu vielen anderen Großstädten stellt allein die kulturelle Vielfalt Hannovers so manch interessierten Bürger vor ein Entscheidungsproblem.
Schon eine Aufzählung der wichtigsten Theater und Bühnen ist aufgrund der großen Auswahl kaum möglich. Hans-Joachim Flebbe - Pionier moderner Multiplex-Kinos - begann seine Karriere als Programmgestalter im Apollo-Kino in Hannover-Linden und betreibt heute 37 deutsche Cinemaxx-Kinos. Allein vier seiner Lichtspielhäuser befinden sich in der Hannoveraner City.Sportlich aktiven Zeitgenossen bietet die niedersächsische Landeshauptstadt ein riesiges Spektrum an Betätigungsmöglichlichkeiten. Mit der Eilenriede und den Ricklinger Kiesteichen grenzen zwei große Naherholungsgebiete fast direkt an die Innenstadt - für einen ambitionierten Marathonläufer wie mich ein Eldorado. Im April untersuchte die Stiftung-Warentest Strecken für Inlineskater und zählte den Weg um den Maschsee zu den besten Skaterstrecken Deutschlands.
Wer selbst noch nach eigener sportlicher Motivation sucht, kann in der TUI-Arena mit den Hannover-Scorpions erstklassiges Eishockey und in der AWD-Arena, ein für die Fußball-WM umgebautes Stadion, Hannover 96 beim Kampf um die Meisterschaft der Fußballbundesliga beobachten.
Aus Anlass der Weltausstellung und der Fußballweltmeisterschaft wurden außerdem große Summen in die Infrastruktur der Landeshauptstadt investiert: Von neuen U-Bahnlinien und einem modernisierten S-Bahnnetz mit neuen Bahnhöfen profitiert heute die gesamte Region.
Ein besonders entscheidendes Argument für die Aufnahme oder Fortführung eines Studiums in Hannover ist im übrigen die Tatsache, dass seit vier Wochen WebUni auch in Hannover den Kommilitonen eine virtuelle Heimat bietet.
Raum Hannover/ Braunschweig/ Göttingen
Der bedeutendste Wirtschaftsraum des Bundeslandes - auf einem Drittel der Fläche Niedersachsens wohnen hier vier Millionen Menschen - umfasst die Städte der Metropolregion Hannover/Braunschweig/Göttingen. Im Bereich Verkehr, Handel, Informationstechnik, Logistik, Industrie, Wissenschaft, Forschung und Kultur laufen dort alle Fäden zusammen. Innerhalb dieses industriellen Zentrums befinden sich auch mehrere Automobilwerke. Wolfsburg und seine Autostadt stehen weit über die Grenzen Niedersachsens als Symbol für die Fortschrittlichkeit der deutschen Automobilindustrie.Trotz dieser ökonomischen Kooperation ist das Verhältnis zwischen Hannoveranern und Braunschweigern keineswegs von enger Freundschaft geprägt. Hannoveraner haben in Braunschweig nur sehr wenig zu Lachen, und auch umgekehrt fühlen sich Braunschweiger in der Landeshauptstadt eher selten wohl. Die Grundlage für diesen Konflikt legte der Deutsche Fußballbund im Mai 1963: Bei der neu gegründeten 1. Fußballbundesliga wurde Hannover 96 nicht berücksichtigt, da der Antrag abgelehnt wurde. Stattdessen rückte Eintracht Braunschweig als niedersächsischer Vertreter hinein. Infolge dieses prägenden Schicksalsschlages manifestierte sich ein tiefes gegenseitiges Misstrauen, an welchem mittlerweile nicht mehr nur Fußballfans beider Städte partizipieren.
Tourismus in Niedersachsen
In Niedersachsen finden Touristen eine fast unüberschaubare Fülle von Freizeit- und Urlaubsregionen vor. Etwas abseits der dicht besiedelten Wirtschaftsregionen können fast alle touristischen Ansprüche befriedigt werden. In den Wintermonaten lädt Torfhaus, das in Niedersachsen höchstgelegene Örtchen, seine Gäste zum Snowboarden, Skifahren oder Rodeln ein. Schneehöhen von mehreren Metern sind im Winter keine Seltenheit. Zwar ist die Gesamtlänge der Pisten kaum vergleichbar mit denen großer Skigebieten, etwa der Zillertalarena: Für spontane Abfahrten mit dem Snowboard jedoch jederzeit ausreichend.Sparsame Studenten sollten sich in den Herbst- und Wintermonaten nach Ferienwohnungen an der Nordsee erkundigen. Da die Preise in jenen Jahreszeiten besonders niedrig sind, können sich selbst Kommilitonen mit klammem Geldbeutel einen amüsanten Wellnessurlaub in Cuxhaven oder auf Langeoog leisten.
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Niedersachsen - mein Lieblingsland (mp3)
Portal: 60 Jahre Niedersachsen
www.niedersachsen.de
