Das Rote Kreuz
Die Idee hinter den Vereinten Nationen ist wesentlich älter als die Organisation selbst. Bereits im 19. Jahrhundert hab es Bemühungen, den Umgang der Staaten miteinander zu regulieren. So folgte der Gründung des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz 1863 recht schnell die erste Genfer Konvention - eines der ersten Vertragswerke, das sich mit dem Umgang von Verwundeten beschäftigte und feste Regeln dafür aufstellte. Nach dieser ersten Genfer Konvention sind als nächstes die Haager Friedenskonferenzen von 1899 und 1907, und die auf ihnen geschlossenen Abkommen (am bekanntesten dürfte die Haager Landkriegsordnung sein) zu nennen.Im ersten Weltkrieg trat das Rote Kreuz dann erstmals in seiner Rolle als Kriegsbeobachter und Überwacher der Einhaltung der oben genannten Abkommen auf - so protestierten Vertreter des IKRK gegen den Einsatz von Giftgas, kümmerten sich aber auch um die Zivilbevölkerung der besetzten Gebiete, wie es ihnen von der Haager Landkriegsordnung gestattet war.
Der Völkerbund
Nach dem ersten Weltkrieg entstand der Völkerbund - die Idee findet sich schon bei Kant - auf konkreten Vorschlag von US-Präsident Wilson. Dieser hatte in seinem 14-Punkte-Programm die "Gründung einer "allgemeinen Gesellschaft der Nationen" zur friedlichen Regelung von Streitigkeiten" vorgeschlagen. Die Aufgaben des Völkerbunds waren hauptsächlich die Stärkung internationaler Zusammenarbeit und Vermittlung in Konfliktfällen. Seine Satzung war Bestandteil der Pariser Vorortverträge, so dass er mit deren Ratifizierung offiziell gegründet wurde.
Allerdings litt die neue Organisation unter einigen schweren Geburtsfehlern: Zunächst verweigerten die USA sich dem Gremium, da sich der US-Senat von Präsident Wilson übergangen fühlte. Außerdem konnten viele Beschlüsse nur einstimmig gefasst werden. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Völkerbund trotz einiger Anfangserfolge - wie zum Beispiel die Klärung der Besitzansprüche auf die Åland-Inseln - in komplizierteren Konfliktfällen nicht wirkungsvoll eingreifen konnte. So musste die Organisation sowohl beim japanischen Überfall auf China 1931, als auch beim italienischen Einmarsch in Abbessinien tatenlos zusehen. Grundproblem bei allen Konflikten war die Tatsache, dass die Mitglieder des Völkerbunds großteils aus Eigeninteresse handelten, und nicht so sehr an friedenserhaltenden Maßnahmen interessiert waren als an solchen, die ihnen selbst weiterhalfen. Außerdem gab es im Völkerbund kein generelles Verbot von Krieg als politischem Mittel. Dies fand sich erst im Briand-Kellogg-Pakt von 1929, der eine wichtige Grundlage der Nürnberger Prozesse werden sollte.
Gründungsprozess und Organe der UN
Gründung
Das offensichtliche Scheitern des Völkerbunds - signalisiert durch den Ausbruch des 2. Weltkriegs - brachte dann den Stein für eine neue, weltweite Organisation mit ähnlichen bis identischen Aufgaben ins Rollen. So einigten sich die Alliierten sowohl auf ein weltweites Währungs- und Wirtschaftssystem und dessen Organisationen (IWF und Weltbank) als auch die Einrichtung einer internationalen Organisation zur Friedenssicherung. Auf der Konferenz von Jalta einigten sich die Großmächte dann auf die Gründung der UNO, und bereits am 26. Juni unterzeichneten 50 Staaten, die sich auf Seiten der Alliierten am 2. Weltkrieg beteiligt hatten, die Charta der Vereinten Nationen. Polen hinterlegte als 51. Staat seine Ratifizierungsurkunde, und so trat die Charta am 24. Oktober 1945 in Kraft.(24479 UN/DPI Photo)
Die Hauptorgane der UN
Die Vereinten Nationen haben gemäß der Charta sechs Hauptorgane. Dazu zählen die Vollversammlung aller Mitglieder, die unter anderem die nichtständigen Mitglieder des Sicherheitsrates wählt, das UN-Sekretariat, das die übrigen Organisationen in ihrer Arbeit unterstützt, der Sicherheitstar, der als einziges UN-Organ Entscheidungen treffen kann, die für die Mitgliedsstaaten bindend sind, der Wirtschafts- und Sozialrat, dem unter anderem die Weltbank und der IWF unterstehen, sowie der Internationale Gerichtshof, der Rechtsstreitigkeiten zwischen Mitgliedern klärt.
Zusätzlich gibt es noch den Treuhandrat, der allerdings seine Arbeit ausgesetzt hat, da es seit der Unabhängigkeit von Palau im Jahr 1994 keine UN-Treuhandgebiete mehr gibt.
Nebenorgane und weitere Organisationen
Zusätzlich zu den genannten Hauptorganen gibt es noch eine große Zahl an Nebenorganen und Sonderorganisationen, die teils der Generalversammlung und teils dem Wirtschaftsrat unterstellt sind.Zu den Nebenorganen zählen beispielsweise das Kinderhilfswerk UNICEF, das Welternährungsprogramm WFP oder auch der Hochkommissar für Flüchtlinge UNHCR. Beispiele für Sonderorganisationen sind der Weltpostverein UPU, die Weltgesundheitsorganisation WHO oder auch die Welthandelsorganisation WTO, um nur einige zu nennen. Zusätzlich kooperieren noch weitere überstaatliche Gremien mit den UN, zum Beispiel der Internationale Strafgerichtshof ICC in Den Haag.
Wirken der UNO und Kritik
Seit ihrer Gründung im Jahre 1945 setzten sich die Vereinten Nationen in Dutzenden von Konflikten für friedenssichernde Maßnahmen ein, von der Sicherung des Waffenstillstands in Israel (diese Mission läuft seit 1948) über den Koreakrieg, die Sicherung der staatlichen Integrität des Kongo nach dessen Unabhängigkeit, die Entsendung von Blauhelmen nach Zypern 1964, in den Libanon 1978, nach Somalia 1993 bis hin zur aktuellen Mission im Kongo. Außerdem wurden die UN seit Beginn der 1960er Jahre immer stärker im Bereich der humanitären Hilfe aktiv, als sich Berichte über Hungersnöte in den afrikanischen Staaten häuften. Außerdem setzen sich die UN für die Gleichberechtigung von Mann und Frau ein und sind sehr aktiv in Umweltfragen.
Im Laufe ihrer Geschichte nahmen die Vereinten Nationen immer wieder Staaten auf, so dass sie heute 192 Mitglieder haben.
Natürlich blieb in ihrer Geschichte auch Kritik an den Vereinten Nationen nicht aus. Ein hauptsächlicher Kritikpunkt ist die Zusammensetzung des Sicherheitsrats - die dort vertretenen Mächte nutzten ihr Vetorecht immer wieder, um Verurteilungen und Sanktionen gegen sich oder mit ihnen befreundete Staaten abzuwenden. Ein weiteres Problem der UN sind, wie schon beim Völkerbund, die kaum vorhandenen Kompetenzen. Die UN-Charta ist zudem sehr flexibel interpretier- und auslegbar, so dass eine Einigung im konkreten Fall mitunter an unterschiedlicher Auslegung scheitert. Außerdem verhindern oft nationale Interessen, dass die UN verbindliche Regelungen schafft. Prominentestes Beispiel ist die Tatsache, dass die USA die Zuständigkeit des Internationalen Strafgerichtshofs für ihre eigenen Bürger ablehnen, sich sogar eine militärische Befreiung etwaiger angeklagter Amerikaner vorbehalten, und so die Legitimation des Gerichtshofs allgemein untergraben.
Weitere Kritik gibt es am Entwicklungshilfekonzept von 1960, das dazu führte, dass die Entwicklungsländer in zunehmende Abhängigkeit von Transferleistungen gerieten, da kein Handelssystem aufgebaut wurde. Andere Stimmen werfen den UN vor, sich nur für medienwirksame Konflikte zu interessieren, andere aber völlig zu ignorieren. So verzichtete man auf Eingreifen im Sudan oder auch in Ruanda. Der schwerwiegendste Vorwurf ist wohl der der Parteilichkeit: Dieser Vorwurf besteht darin, dass sich die Vereinten Nationen überdurchschnittlich oft mit Israel und seinen Menschenrechtsverletzungen beschäftigen, wohingegen solche Verletzungen in arabischen Staaten selten thematisiert würden.
Die Generalversammlung von 1960
Im Jahr 1960 kam es auf der 15. Generalversammlung der UN zu tumultartigen Szenen. Die Sowjetunion hatte im Rahmen einer Debatte zur Abschaffung des Kolonialismus einen Antrag eingebracht, der den unter westlichem Kolonialismus und Imperialismus lebenden Völkern das Recht auf Unabhängigkeit einräumte. Als der philippinische Delegierte Sumulong die Hoffnung äußerte, dass dieses Recht nicht nur für diese, sondern auch für die unterdrückten Völker Südeuropas gelte, konnte sich Chrustschow nicht mehr zurückhalten, zog seinen Schuh aus, und schlug damit auf sein Pult ein, während die übrigen Mitglieder der sowjetischen Delegation ihre Pulte mit ihren Fäusten bearbeiteten. Nachdem Chrustschow seinen Schuh wieder angezogen hatte, bezeichnete er vom Rednerpult aus den Delegierten Sumulong als "amerikanischen Speichellecker" und "Nichtsnutz". Als im sich daraufhin erhebenden allgemeinen Tumult der rumänische Delegierte Mezincescu dem irischen Vorsitzenden Boland Parteilichkeit vorwarf, rief dieser ihn zur Ordnung, und ließ schließlich seinen Holzhammer so heftig niederfahren, dass er zerbrach. Sofort im Anschluss vertagte Boland die Sitzung auf den nächsten Tag.1(67111 UN/DPI Photo)
Referenzen:
1 APA - Austria Presse Agentur
Offizielle Seite der Vereinten Nationen
