Franz Müntefering hatte es schon wie Moses prophezeit: Heuschrecken werden über das Land fallen und jegliche Ernten vernichten. Und in der Tat fiel die Ernte dieses Jahr recht mager aus. Doch nicht aufgrund ausländischer Konzerne, sondern wegen der anhaltenden Trockenheit. Macht aber nichts für den Bauern, da die Landwirtschaft ja immer noch von der EU subventioniert wird. Doch eines wird durch diesen Sachverhalt deutlich: Deutschland geht nicht nur finanziell trockenen Zeiten entgegen. Nicht umsonst rief die Unesco deswegen das Jahr 2006 zum internationalen „Jahr der Wüsten und Wüstenbildung“ aus.
Wüstenbildung überall. Nicht nur das Deutschland nach wie vor an der Bekämpfung der Servicewüsten scheitert. Nun breiten sich die Wüsten auch in den Köpfen der Kinder aus. Die Ausdünnung in den Köpfen geht einher mit dem ausdörren der Inhalte im Fernsehen, welches immer mehr an Profil verliert. Kein Wunder das kein Anderer als der Bundespräsident Horst Köhler diesen Missstand, in seiner bis jetzt recht ereignislosen Halbzeit seines Amtes, zum Anlass nimmt um sich endlich ein Profil zu geben. Doch nun hat man auch herausgefunden, dass mit der geistigen Abnahme die körperliche Ausmaße der Kinder zunehmen. Dies ist vor allem bei Zuschauern des sogenannten „Unterschichtenfernsehens“, jenen 10% die zu den „sozial schwachen“ zählen, besonders festzustellen. Und auch die vermeintliche Mittelschicht nähert sich dem Abgrund der trivialen Einöde. Scheinbares Bildungsfernsehen wie Sendungen namens „Galileo“ erklären völlig alltägliche und bekannte Dinge. Von daher kann der Zuschauer nur den Bildungszonk als Trostpreis von Günther Jauch bekommen, der eine entscheidende Rolle in dieser Bildungsmisere spielt. Man könnte von der „Jauchisierung“ der Medien sprechen. Also Alles mundgerecht zerkauen und verwässern bis am Ende ein unterhaltsamer aber kalorienarmer Brei heraus kommt. Das haben auch findige Geschäftsleute erkannt, die mit kniffligen Rätseln und geistig verwahrlosten Moderatoren in den dunklen Stunden besonders jenen 10% die Chance gibt, sich mal richtig schlau zu fühlen um dann doch abgezockt zu werden.
Nun stehen nicht viele Alternativen zur Verfügung um das Land vor der drohenden Dürre auf allen Ebenen zu retten. Deswegen schielt man in der Politik auf das gescheiterte Erfolgsmodell „Gießkanne“, das dem Osten des Landes bepflanzte Kreisverkehre, renaturierte Industrielandschaften und Krötentunnel brachte. Das Erfolgsprojekt Ost zeigt wie es gehen kann. Oder eben auch nicht, denn leider vergaß man dabei den Menschen, der nun NPD wählt und Tag ein, Tag aus, Seichtes im Fernsehen sieht. Doch man sieht schon Licht am Ende des Tunnels. Nachdem Sabine Christiansen ihren Polit-Weichspül-Zirkus bereits schloss, wollen auch die privaten Sender auf andere Formate für mehr Infotainment umschwenken. Sat1 plant deswegen eine Doku-Soap über die NPD namens „Verliebt in Berlin – jetzt erst Recht(s)“. RTL will dem in nichts nachstehen und plant neben der nächsten „Eventshow“ mit B-Prominenz auch eine Krombacher-Spendengala für die Erhaltung der deutschen Steppen, bei der man ein Auto gewinnen kann, wenn man richtig errät ob Tatjana Gsell oder Uschi Glas mehr kg Schminke pro Quadratzentimeter Haut aufgetragen hat. Mit diesen wirklich mathematisch anspruchsvollen Fragen möchte man das Publikum für 49 Cent je Anruf geistig nicht mehr unterfordern. Pro7 hingegen plant sämtliche Staffeln von „Sex and the City“ wieder ins Programm zu nehmen. Allerdings in einer neuen Synchroniation. Anstatt des Stöhnens werden Gedichte von Rainer Maria Rilke und Else Lasker Schüler zum Besten gegeben.
Ein unterhaltsam bildendes Wochenende wünscht Ihnen
Ihr Christopher Könitz
Post vom Könitz
Schwere Zeiten

Schwere Zeiten suchen das Land der Daueroptimisten heim. Dürre, Wüstenbildung, Terrorgefahr, zu wenig Bildung und Dickleibigkeit breiten sich rasant aus. Doch wie soll man der schwierigen Lage Herr werden? Ein kritischer Überblick mit Ursachen, Folgen und Möglichkeiten.
geschrieben von $DEL_2494 am 29.09.2006