Lady Water.
Doch eines Tages taucht aus den Pool ein Mädchen auf (Rryce Dallas Howard), das den merkwürdigen Namen Story trägt und angibt, aus einer anderen Welt zu sein - der blauen Welt. Durch Zufall erfährt Cleveland von einer asiatischen Bewohnerin eine Gutenacht-Geschichte, welche erschreckende Parallelen zu den Vorkommnissen im "Cove" aufweist: Story ist eine "Narf", eine Nyphe aus dem Tiefen des Wassers. Sie ist gekommen, um den Menschen zu Helfen - doch ihr Rückweg ist versperrt: Böse Kreaturen bedrohen ihr Leben. Nun ist sie es, die Hilfe braucht. Storys Rückkehr verbindet sich auf untrennbare Weise mit dem Leben der Bewohner - und dem Leben Clevelands.
Was wurde nicht auf Autor und Regisseur M. Night Shyamalan herum gedroschen: Arroganz und Selbstverliebtheit wurde ihm vorgeworfen, als er sich im Streit von Disney trennte (für die er bisher alle seine Filme gedreht hatte), ein Buch über das kreative Arbeiten als Regisseur schrieb, schließlich bei Warner einen neuen Geldgeber fand und sich zudem eine große, männliche Rolle selbst auf den Leib schrieb - ausgerechnet die des Propheten, der das die Welt verändernde Buch schreibt. Mit Hingabe zerrissen amerikanische Kritiker den Film dann und schienen Shyamalans eigene Prophezeiung zu bekräftigen: "Die Kritiker werden den Film hassen, die Zuschauer werden ihn lieben". Die Zuschauerzahlen sind - verglichen mit seinen Vorgängern - zwar bescheiden, aber der Film ist unter der Oberfläche tiefgründiger, als man gemeinhin glauben möchte.
Angeblich entstammt die gesamte Geschichte einer Gutenachtgeschichte, wie Shyamalan seinen Kindern früher erzählte. Irgendwann war sie auf ein solches Ausmaß angewachsen, dass er entschloss, sie niederzuschreiben. Herausgekommen ist ein Film ohne den "Big Plot" am Ende, ohne die nie geahnte Wendung, sondern ein Film mit vielen kleinen Wendungen.
Eines sollte man nicht vergessen, sobald man über "Das Mädchen aus dem Wasser" spricht: Es ist ein Märchen, eine Gutenachtgeschichte. Der Umstand, dass Cleveland nicht eine Sekunde an den Worten Storys zweifelt, ergibt sich aus der Sache selbst, ebenso wie all die Wesen, Schicksals-Beschwörungen und die kleine Einführungsgeschichte zu Beginn des Films. Shyamalan wurde schon einmal massiv unterschätzt: "Unbreakable", sein bislang interessantester und intelligentester Film, bekam keine berauschenden Kritiken und ließ das Publikum weitestgehend kalt. Auch hier wurde der Anspruch des Films an sich selbst schlicht übersehen: Es war eine Comic-Verfilmung auf einer Metaebene und kein Abklatsch von "The Sixth Sense", der an Unlogik von noch keinem seiner Nachfolger übertroffen wurde. "Das Mädchen aus dem Wasser" ist ein Märchen, eine Geschichte über Vorherbestimmung. Wie in jedem Shyamalan-Film spielt der Glaube eine wichtige Rolle, auch wenn es hier etwas zu dick aufgetragen wird. Doch das Ensemble, dass sich letztlich um Story scharen wird, besitzt durchaus biblische Entsprechungen: Da ist der "Heiler", die "Gilde", der "Symboldeuter" und der "Wächter". Mitunter möchte man bei den optisch extrem ansprechenden und Shaymalan-typischen Kameraeinstellungen an Jesus und seine Jünger denken, auch Hesekiel liegt nahe.
Es ist eine Geschichte über die Suche nach Bestimmung. Die Wesen, genauso wie ihre fremde Welt sind ebenso Teil der Geschichte, wie die apokalyptischen bzw. Heiland-artigen Ausmaße, welche das Schreiben bzw. Nicht-Schreiben des Buches der Figur Vick (ausgerechnet Regisseur Shyamalan) zur Folge hätte. Es ist eine Geschichte mit Endgültigkeitscharakter - das unterscheidet sie letztlich doch vom Märchen.
Der Film hat aber durchaus seine Schwächen: Die Art und Weise, wie Cleveland die Gutenachtgeschichte nach und nach von der Großmutter einer asiatischen Bewohnerin erfährt, wirkt mitunter sehr holperig und gezwungen. Auch der Umstand, dass Shyamalan uns die Wesen zeigt, die Story an ihrer Rückkehr in die blaue Welt hindern wollen, ist völlig unnötig - diesen Fehler hat der Regisseur schon einmal begangen, als er dem Publikum in "Signs" tatsächlich einen Alien vor Augen führte. Zudem laufen Geschichten über Vorherbestimmung immer Gefahr, grob unlogisch zu geraten. Das ist hier zwar auch passiert, geht aber unter angesichts der Zielsetzung des Films: Hier möchte niemand die Welt nachbilden, sondern eine Fantasiegeschichte erzählen.
Dieses Vorhaben ist Shyamalan gelungen. Auch weil er sich auf seine ausgezeichneten Schauspieler verlassen kann: Paul Giamatti spielt Cleveland mit einer rührenden Naivität (welche den ganzen Film durchzieht und manchmal zu Kopfschütteln führen könnte) und Bryce Dallas Howard (Tochter von "A Beautiful Mind"-Regisseur Ron Howard) als nur im Oberhemd bekleidete Nymphe wirkt der Welt entrückt, unnahbar und ist schlicht wunderschön. Der eigentliche Leckerbissen aber ist das präzise und großartige Spiel eines der interessantesten Schauspieler der Gegenwart: Jeffrey Wright. Allein dieses Ensemble ist die Kinokarte wert.
Vielleicht ist die Selbstinszenierung des Wunderknaben Hollywoods etwas heftig geraten. Vielleicht hat er viele seiner Fans überrascht und auch enttäuscht, weil diesmal keine alles auf den Kopf stellende Wendung zu erwarten ist. Doch eins kann man M. Night Shyamalan nicht vorwerfen: einen schlechten Film gemacht zu haben.
Unterm Strich: Genau hinschauen und lieber zweimal über den Film nachdenken, bevor man ihn verurteilt. Kein Meilenstein, aber eine interessante Geschichte über Schicksal und die Fähigkeit zu helfen. Besser als sein Ruf.
Philipp Bode
Foto: imdb.com
