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Post vom Könitz

Eine Frage des Geruches

An allen Ecken und Enden der Bundesrepublik müffelt es komisch. Vom Gammelfleisch in Bayern, über braunen Wahlkampfmief in Mecklenburg-Vorpommern bis zur Landeshauptstadt Magdeburg, die im Düngewahn der Großbauern erstickt. Ein kleiner Überblick zu Ursachen und Lösungen dieses heiklen Problems der unangenehmen Gerüche.

Nun scheint es so, dass nach einem verregneten August doch noch ein vom Altweibersommer geprägter September das Land beglückt. Das gute-Laune-Land Deutschland hat allen Grund zu feiern. Die Neuverschuldung ist nach Jahren endlich wieder unter 3% des Bruttoinlandsproduktes gefallen, die deutschen Nordseehäfen wachsen schneller als Rotterdam und Co. Und dann war da ja noch ein 13:0 Sieg für die Nationalmannschaft. Wer kann da noch mit der guten Laune zurückhalten? An sich ist Alles gut und schön. Wenn da nicht nicht diese markanten Düfte wären.

Schaut, oder besser gesagt, riecht man nach Süden, kommt einem ein ganz komischer Geruch in die Nase. Nein, diesmal ist es nicht der Hundekot der italienischen Riviera, sondern der Geruch gammligen Fleisches. In München tauchten aus heiterem Himmel ein paar Tonnen jenes markanten Fleisches auf, das jedem Lebensmittelkontrolleur die Haare zu Berge stehen lässt. Dass die Abnehmer den komischen Geruch oder die grünlich schimmernde Farbe nicht bemerkt hatten, liegt entweder an einer Schnupfenepidemie, einer unzureichenden Körperhygiene, Gewohnheit oder vielleicht gar an der markanten rot-grün schwäche des normalen Bayern. Nicht dass München schon in den 20ern für bräunliches Gammelfleisch zweifelhaften Ruf erlangte. Doch nun roch man jenen brauen Mief auch auf einmal im Norden, genauer gesagt in Mecklenburg-Vorpommern. Hier hat sich ein brauner Gammelhaufen für die Landtagswahl aufgestellt. Das stinkt nicht nur etablierten Parteien, sondern auch der Tourismusbranche. Bis heute stehen die Prachtbauten der späten bräunlich miefenden Dreißiger ohne großartige Nutzung an der Ostseeküste und verfallen.

Doch wie im Rest der Republik waren die letzten Tage für Magdeburg wahrlich kein Fest für feine Nasen. Die gewinnorientierten Großbauern schütteten ihre Äcker bei milden Temperaturen mit Hühnermist zu, um nach diesem kargen Sommer ihre Felder wieder fruchtbarer zu machen. Das hatte dann leider den nasal reizenden Effekt, dass es überall in der Stadt unangenehm roch. Sonst war man das ja nur von dem Gulli bei Wohnheim 4 gewohnt. Vielleicht ist diese Häufung des Miefes ja einer der Gründe, warum Günther Grass auf überdeckende Zwiebelgerüche zurück griff und „Desperado-Gestus“ Patrick Süßkind nun doch „das Parfum“ freigab zum verfilmen. Ferner kann man spekulieren, ob dies nicht die sonst recht geruchslose Bundesregierung zu Maßnahmen greifen lässt, um diesen Mief zu überdecken. Ein Duftbäumchen zur Mehrwertsteuererhöhung, ein 2-Liter-Vorratseimer mit süßem Senf für das Fleisch von Horst Seehofer oder ein Parfum der Marke „Boss“ für Verteidigungsminister Jung, um die Alphamännchenstellung gegenüber der Bundeswehr zu unterstreichen, könnten dieser Regierung in diesen Tagen inmitten des Miefs eine eigene Duftnote geben.

In diesem Sinne einen nasal angenehmen Start ins Wochenende,
Ihr Christopher Könitz
geschrieben von $DEL_2494 am 08.09.2006