WebUni Hannover WebUni Frankfurt/Main WebUni Magdeburg

Artikelserie "Mein Bundesland" - Teil 5

Heute: Freie Hansestadt Bremen

Bremen. Mit einer Fläche von 404 km² und 663000 Einwohner ist der Stadtstaat das sowohl in seinen Ausmaßen als auch in Bezug auf die Bevölkerungszahlen das kleinste der 16 Bundesländer in Deutschland. Die Freie Hansestadt Bremen gliedert sich in die Stadt Bremen und in die nördlich gelegene Stadt Bremerhaven. Anfang der 70er Jahre sang Heinz Eckner gemeinam mit der damaligen Werder-Bremen-Elf "In Bremen, in Bremen, da lässt sich's gut leben".

Mit diesem schriftlichen Ausflug nach Bremen möchte ich Euch zeigen, dass an dieser Textzeile einiges dran ist und dass sich hinter dem Streit um die Auflösung des Bundeslandes und neben hohen Arbeitslosenzahlen etwas ganz besonderes und sehenswertes verbirgt.

Eigentlich nicht meine Heimat und irgendwie doch: Bremen. Ich habe in und um Bremen viele Freunde, Familie und Bekannte. Ich war schon so oft in Bremen und jedes Mal konnte ich eine Kleinigkeit, ein Detail, entdecken, was mir im Gegensatz zum vorherigen Besuch nicht aufgefallen war. Mit jedem Aufenthalt in der Hansestadt habe ich die Stadt mehr und mehr lieben gelernt. In diesem Artikel möchte ich Euch vorstellen, was Bremen für mich ausmacht. Über meine eigentliche Heimat Niedersachsen wird im nächsten Teil der Serie berichtet und ich bin sicher, wir können uns auf einen tollen Artikel freuen! Doch zurück zu Bremen..

Die Bremer Altstadt: Schnoor

Das Schnoorviertel (oder einfach: Der Schnoor) der Stadt Bremen wurde im 13. Jahrhundert zum ersten mal schriftlich erwähnt, als dort ein Franziskanerkloster erbaut wurde. Frühere Nennungen sind nicht bekannt. Es handelt sich um ein mittelalterliches Viertel mit vielen kleinen Gassen in der Innestadt von Bremen, die "wie an einer Schnur gezogen" von vielen, kleinen Häusern gesäumt werden, woher auch der Name "Schnoor" (Plattdeutsch für "Schnur") stammt. Bis in das 19. Jahrhundert hinein führte die "Balge" durch das Schnoorviertel, so dass sich dort vorrangig Schiffer und Fischer ansiedelten, die aus der Lage am Seitenarm der Weser einen wirtschaftlichen Vorteil ziehen konnten. Im Zuge der Landgewinnung wurde die Balge dann zugeschüttet, weshalb heutzutage lediglich die Namen der Gassen ("Hinter der Balge" folgt dem ehemaligen Flussverlauf) daran erinnern. Der Schnoor blieb im Gegensatz zum restlichen Bremen während des 2. Weltkrieges weitestgehend verschont und ist mittlerweile eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Bremen. Das ehemalige Fischerviertel ist zu einer Gastronomiemeile geworden, in der jedoch auch viele Kleinkunstbetriebe eine Heimat gefunden haben. Die Hanseaten haben zur Erhaltung des Schnoors einen Verein gegründet.


Die Weser und die Schlachte

Die Weser durchquert von der Quelle bis zum Ursprung vier Bundesländer und ist nach dem Main der zweitlängste Fluss, der nur durch deutsches Gebiet fließt. Nach 452 Kilometern mündet der Strom bei Bremerhaven in die Nordsee. Früher brachte sie Trinkwasser und sorgte durch den Ausbau der Schifffahrt, für die sie schon seit dem 8. Jahrhundert genutzt wird, für wirtschaftliches Wachstum und kulturelle Entwicklung. Heute hat sie sich neben der Bedeutung als Wasserstraße auch als Ausflugsziel bewährt. Viele Personenschiffe und Wassersportler sind besonders im Sommer auf der Weser zu finden, während sich am Ufer Camper, Radwanderer und Angler ihr Plätzchen gesucht und gefunden haben. In der Stadt Bremen ist die Weser ganz hervorragend in die Stadt eingebunden. So sind an der Weserpromenade in der Innenstadt historische Bauten direkt am Wasser zu finden. Vom niederdeutschen Wort "slait" (bedeutet "schlagen" ) abgeleitet nennen die Bremer diesen Stadtteil am Fluss "Schlachte". Dieser Name stammt aus der Zeit, als Kaufleute sich dieses Gebiet zu Eigen machten. Sie schlugen stabile Holzstämme in den Grund und schafften so zuverlässigen Anleger für Handelsschiffe. Bis ins 16. Jahrhundert hinein lag hier sogar der Bremische Haupthafen. Seit einem Umbau vor gut 20 Jahren ist die Schlachte eine Fußgängerzone, die mittlerweile Bars, Kneipen, Restaurants und vieles mehr für mehrere Tausend von Menschen bietet. Auch heute legen dort noch Schiffe an und ab. Jedoch betreiben diese keinen Handel mehr, sondern laden zu einem Ausflug in die Geschichte Bremens ein, zu einer Fahrt nach Bremerhaven, zum Dinner oder Feten auf der Weser.


Der Bremer Roland

Viele von Euch kennen bestimmt den Magdeburger Roland, der auf dem Alten Markt vor dem Rathaus sein Schwert in die Luft hält. Auch Bremen hat einen Roland. Sie wurden im Mittelalter als Symbol bürgerlicher Freiheit aufgestellt. Er ist ein Zeichen für ein eigenes Marktrecht und eine eigene Gerichtsbarkeit, aus der diese Freiheit folgt. Der erste Bremer Roland war eine hölzerne Statue, die 1366 verbrannte. 1404 enstand der heutige Bremer Roland aus hellem Elmkalkstein. Er ist im Gegensatz zum hiesigen ein ganzes Stück größer und begegnet Euch ebenso wie in Magdeburg auf dem Marktplatz. Vor etwa zwei Jahren ist er gemeinsam mit dem Rathaus in die Weltkulturerbeliste der UNESCO aufgenommen worden. Weiterhin trägt er zwei Besonderheiten: Zum einen beträgt der Abstand zwischen den Knien genau eine Bremer Elle, eine frühere Maßeinheit und zum anderen ist zu Rolands Füßen ein Bettler zu finden, zu dem Ihr eine Sage nachlesen könnt.


Die Bremer Stadtmusikanten

Die Bremer Stadtmusikanten stehen in ihrer bekanntesten Darstellung, von denen es in Bremen natürlich gleich mehrere gibt, als Bronze-Statue an der Westseite des Rathauses. Sie stammt von dem Künstler Gerhard Marcks aus dem Jahr 1951. Den meisten ist die Sage um die Bremer Stadtmusikanten vermutlich aus dem Märchen der Gebrüder Grimm bekannt, die die Geschichte zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufschrieben. Dessen Ursprünge sind jedoch bereits im Mittelalter zu finden. Hauptstrang auch bei allen nachfolgenden Fassungen blieb das erfolgreiche solidarische Handeln der Schwachen gegen die Starken. Eine mögliche Interpretation in Bezug auf den Hintergrund lässt sich auf die seit 1339 die in Bremen bekannten "Stadt- und Raths-Musici" vom Turm der Kirche "Unser Lieben Frauen" bliesen oder bei Festen spielten, zurückführen. Diese "Stadtmusikanten" nahmen - wie im Märchen - immer wieder Musikanten auf.

SV Werder Bremen

Bekannt ist Bremen auch durch seinen Bundesligisten Werder Bremen. Als Mitglied des Vereins freue ich mich natürlich besonders, dem Verein in diesem Artikel Erwähnung zu schenken. Am 4. Februar 1899 wurde der Verein als Fußballverein Werder von 1899 gegründet. Der Klubname ist vom an der Weser gelegenen Bremer Ortsteil Stadtwerder abgeleitet, dem ersten Trainings- und Spielgelände des Vereins. Das Wort "Werder" bezeichnet eine Flussinsel oder das Land, das von einem Fluss aufgeschwemmt wurde. Heute besteht Werder Bremen aus dem für den Amateursport zuständigen gemeinnützigen Sport-Verein "Werder" von 1899 e. V. und der unter anderem für den Profifußball verantwortlichen Werder Bremen GmbH & Co. KGaA. Weitere Sektionen des Bremer Clubs sind Handball, Leichtathletik, Tischtennis, Gymnastik, Turnspiele und Schach. Die Vereinsfarben sind Grün und Weiß. Der Fußball-Bundesliga-Mannschaft spielt im 2004 umgebauten Weser-Stadion am Osterdeich.

Verschiedenes

Bremen ist nicht nur bekannt für die vielen historischen Sehenswürdigkeiten. Es ist auch die Heimat verschiedender Bräuche, eines berühmten 6-Tage-Rennens und einer großen Bierbrauerei.

Viele von Euch kennen sicherlich den Brauch, dass Männer, die mit 30 Jahren noch nicht verheiratet sind, die Rathaustreppen fegen müssen, bis sie von einer Jungrau freigeküsst werden. Dieser Brauch stammt aus Bremen, wo 30jährige, unverheiratete Männer in Frack und Zylinder zu Drehorgelmusik die Domtreppen fegen müssen, bis sich eine Jungfrau erbarmt. Wird eine Frau 30 Jahre alt und ist sie noch nicht verheiratet, muss sie die Domklinken putzen, bis ein "Jungmann" sie freiküsst.

Weitere Bräuche in Bremen sind die sogenante Eiswette und das gemeinsame Kohl- und Pinkelessen nach einer Kohlfahrt.

[b]Das Bremer 6-Tage-Rennen ist ein berühmtes Fahrradrennen, das in der Bremer Stadthalle stattfindet und jedes Jahr viele Besucher in die Stadt lockt. Das 43. Bremer 6-Tage-Rennen startet am 11. Januar 2007. Bis zum 16. Januar 2007 werden die Profi-Fahrer dann wieder auf der steilen 166 Meter Bahn nach Rekorden jagen.

Die Bremer Brauerei Beck & Co ist die mit Abstand führende deutsche Exportbrauerei und beschäftigt rund 1500 Mitarbeiter. Sie steht mitten in der Hansestadt direkt an der Weser. Beck's wird in 120 verschiedene Länder auf allen Kontinenten getrunken - rund 3000 Flaschen in jeder Minute. Die zweite Marke der Brauerei, Haake-Beck, wird im Gegensatz dazu nur in der Region Bremen/Weser-Ems ausgeliefert.

Bremerhaven

Zum Bundesland Freie Hansestadt Bremen gehört neben der Stadt Bremen die Seestadt Bremerhaven, die etwa 60 Kilometer nördlich gelegen ist. Das Überseehafengebiet bei Bremerhaven gehört zwar wiederum zur Stadt Bremen, jedoch ist die Stadt Bremerhaven auf Grund eines Vertrages mit der Stadt Bremen gemeindeverwaltungsmäßig zuständig ist. Dies wurde auch in der Verfassung für die Stadt Bremerhaven verankert. Bremerhaven hat rund 170000 Einwohner und wird von der Stadt Bremen durch niedersächsisches Gebiet getrennt.
Viele Sehenswürdigkeiten in und um Bremerhaven drehen sich natürlich um die Lage am Meer. Neben dem Deutschen Schifffahrtsmuseum können Besucher in Bremerhaven auch den Museumshafen mitten in der Stadt besichtigen. Besonders spannend sind auch das U-Boot "Wilhelm Bauer" aus dem 2. Weltkrieg und der größte noch erhaltene hölzerne Frachtsegler, die Bark "Seute Deern" im Museumshafen und viele andere Museumsschiffe.

Anmerkung der Redaktion:
Ihr seid herzlich dazu eingeladen, Eure Impressionen zu den Bundesländern, die wir Euch vorstellen hier wiederzugeben. Solltet Ihr Interesse daran haben, selber Euer Bundesland vorstellen zu wollen, ist das kein Problem, denn noch sind nicht alle Länder vergeben. Wer also Lust hat, über Eigenwilligkeiten, Besonderheiten oder etwas ganz anderes zu schreiben, ist willkommen und kann sich einfach an DoubleSmile85 wenden.


Links:
http://www.bremen.de - Offizielles Informationssystem
http://www.derschnoor.de - Offizielle Informationsseite
http://www.schlachte-bremen.de - Bremens Weserpromenade
http://www.weser-radweg.de - Tourismus an der Weser
http://www.sechs-tage-rennen.de/ - Das Bremer Radsport-Ereignis
http://www.werder.de - Bremer Fußball
http://www.bremerhaven-touristik.de - Viel zu sehen in Bremerhaven
http://de.wikipedia.org/wiki/Bremen_(Land) - Ein paar Fakten und Zahlen
geschrieben von Niob am 22.08.2006