Was haben die Kämpfer der Hisbollah und Günther Grass gemeinsam? Das die Einen in einer Terrororganisation sind und der Andere in Einer war? Sicherlich. Doch auch in Sachen Bomben sind beide ähnlich aktiv. Während die Einen Flüssigsprengstoffe und Kofferbomben zum Glück nicht zur Detonation brachten, ließ Grass seine Bombe, in Form einer kleinen Passage in seiner Biographie, platzen. Doch die Hisbollah und Grass haben das geschafft, was nur Wenige schafften. Sie haben ganz nebenbei das Sommerloch gesprengt. Ein Kollateralschaden mit großen Auswirkungen. Jene Blaupause des modernen Journalisten scheint nun endgültig vorbei. Endlich keine Themen mehr aus den Fingern saugen. Bruno ist tot, Fidel im Krankenhaus und Paris gebissen. Damit lassen sich Schlagzeilen ohne Probleme füllen. Vorbei die Zeiten, in denen man über gefärbte Haare von Regierungschefs spekulieren musste.
Natürlich haben schlaue Werbefachleute da sofort reagiert und schon einige Produkte in Szene gesetzt. Da weigert sich z.B. die deutsche Fußballnationalmannschaft Schuhe von Adidas zu tragen und zieht sogar nackte Füße in Erwägung. Schlechte Werbung ist ja auch Werbung. Doch im gleichen Moment sieht man Altkommunist Fidel Castro seit Ewigkeiten mal nicht im olivgrünen Kampfanzug, sondern, wer hätte es gedacht, im Adidas-Sportdress-Partnerlook zusammen mit Hugo Chávez. Die Neuausrichtung der Großkonzerne ist in diesen Tagen einfach unglaublich. Hier gehört der deutsche Sportbekleidungskonzern eindeutig zu den Gewinnern. Doch es gibt auch Verlierer. So der Ölkonzern BP, welcher in seiner Imagekampagne „beyound petroleum“ für seine Umweltprojekte warb. Nur leider wurden dabei die Wartungsprojekte in Nordamerika zurückgestellt, was nun ein wenig negativ auf das Ansehen und den Ölpreis drückt. Oder die Zigarettenindustrie. Nun wurde in den USA beschlossen, dass die Konzerne keine Zigaretten mit der Aufschrift „light“ mehr anbieten dürfen. Diese aber wollen in Revision gehen, denn schließlich war es doch noch nie so „leicht“ qualvoll zu sterben. Vielleicht sollten diese Unternehmen von Adidas lernen. Deswegen werden Hisbollah-Kämpfer demnächst mit „Lucky Strike“ T-Shirts ausgestattet und anstatt des Davidsterns, wird das Helios-Zeichen von BP auf den israelischen Fahnen der Militärfahrzeuge zu sehen sein.
Das Sommerloch ist in diesem Jahr so klein wie seit langem nicht mehr. Und selbst das Ozonloch ist dieses Jahr keine Bedrohung mehr in den Medien. Nur das Haushaltsloch des Bundesrepublik könnte Sorgen machen. Macht es aber nicht, denn die Fülle des Sommerloches, ist das Glück der Regierung, die zur Zeit größtenteils nur außenpolitisch beobachtet wird. Und das Alles nur wegen den berüchtigten Medienterroristen der Hisbollah. Moderne Medien lassen sich nur zu leicht für fremde Zwecke missbrauchen. Freiheit hat eben ihren Preis. Das weiß auch Wolfgang Schäuble, der nun auf noch mehr Überwachung setzen wird. Somit kann der Terrorist nochmal freundlich in die Kamera winken bevor er mit Adidas-Schuhen und Lucky-Strike-Shirt ins Flugzeug steigt und die Kamera auf das „British Airways“-Logo schwenkt.
In diesem Sinne eine thematisch erfüllte Woche,
Ihr Christopher Könitz
Post vom Könitz
Requiem für das Sommerloch

Löcher gibt es viele. Ozonlöcher, Haushaltslöcher, gesprengte Löcher, Löcher in der Biographie. Die Artenvielfalt ist immens. Doch gibt es ein Loch, welches vorm Aussterben bedroht ist. Das Sommerloch. Deswegen geben sich heute Sommerlochterroristen, Journalisten und findige Großkonzerne die Ehre für ein Requiem ganz kommerzieller Art.
geschrieben von $DEL_2494 am 21.08.2006