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Artikelserie "Mein Bundesland" - Teil 4

Heute: Berlin

"Dickes B, home an der Spree,
im Sommer tust du gut und im Winter tut's weh.
Mama Berlin - Backstein und Benzin
wir lieben deinen Duft, wenn wir um die Häuser ziehn!"

-Seeed-



3 395 189 - so viele Einwohner hat Berlin. Diese Stadt ist nicht nur unsere Bundeshauptstadt, größte und bevölkerungsreichste Stadt Deutschlands, sondern auch neben Bremen und Hamburg einer der 3 deutschen Stadtstaaten. Ein eigenes Bundesland also. Klein im Vergleich zu all den anderen "Großen", aber wer jemals in Berlin war, der weiß: Die Größe der Fläche hat hier wirklich gar nichts zu sagen!

Umgeben von Brandenburg befindet sich Berlin (wenn man es ganz genau wissen will) auf 52° nördlicher Breite, 13° östlicher Länge, aber wer es nicht so genau wissen will, dem reicht sicherlich auch die Angabe: Im Nordosten von Deutschland.

Die wenigsten wissen, dass Berlin eine der grünsten Städte überhaupt ist. Parks und Wälder kommen einem schließlich nicht sofort in den Sinn, wenn man an diese Metropole, die alle Kriterien einer Weltstadt erfüllt denkt, aber mit 18% Waldfläche, 11,5% Erholungsfläche, 417 318 Straßenbäumen und 6,7% Wasserfläche, ist das Gesicht von Berlin nicht so grau und schmutzig, wie viele sich das vorstellen. Als Westberliner Inselkind weiß ich selbst noch recht gut, dass man zu Zeiten der Mauer am Wochenende nicht mal eben schnell in die S-Bahn steigen und ins Umland fahren konnte. So wurde ab den 60er Jahren, als abzusehen war, dass Westberlin eingemauert werden würde, die Stadt so geplant, dass alles was man brauchte vorhanden war. Auch Ostberlin ist mit dem großen Müggelsee, der Dahme, der Wuhlheide und angrenzendem Erholungsgebieten nicht minder grün. Spree, Dahme und Havel und zahlreichen Kanäle machen Berlin übrigens auch vom Wasser aus äußerst erkundenswert und auf jeder Berliner Dampferfahrt wird man den stolzen Hinweis erhalten, dass Berlin über mehr Brücken als Venedig verfügt. Der Berliner ist schließlich stets stolz wie Oskar, auf alles was er hat.



Die Sehenswürdigkeiten, die Berlin seinen Besuchern bietet, dürften hinlänglich bekannt sein. Neben dem Brandenburger Tor, Ku-Damm, Potsdamer Platz, Tiergarten, Reichstag und Fernsehturm lohnt es sich allerdings auf jeden Fall auch mal ein wenig von den Touristenmagneten abzuweichen und einige andere Bezirke zu besuchen, gerade dann, wenn man das echte Berlin kennen lernen will.

An erster Stelle Kreuzberg. Bekannt als skurriles multikulturelles Punkerviertel ist diese Ecke von Berlin wirklich sehenswert, und das sage ich nicht nur, weil meine gesamte Familie von dort kommt. In der Bergmannstraße reihen sich gemütliche Cocktailkneipen an hippe Sushibars, und existieren damit Seite an Seite mit türkischen Lebensmittelhändlern und Antiquariaten, eingerahmt von der fast 120 Jahre alten Markthalle am Marheinekeplatz, prächtigen Altbauten voller Stuck und unzähligen Secondhandläden.



Wer es noch einen Tick studentischer und szenemäßiger mag, wird sich im Prenzlauer Berg und Friedrichshain wohlfühlen. In der Simon-Dach-Straße findet man wohl das größte Angebot an Kneipen und Cocktailbars von ganz Berlin, und in entsprechend günstiger Lage, nur eine Straßenbahnstation weiter, die angesagtesten Clubs und Diskos. Besonders empfehlen kann ich hier übrigens den Postbahnhof am Ostbahnhof, wo jedes Wochenende der Fritz-Club von Radio Fritz stattfindet.



Für diejenigen, die sich dann nach einer langen Partynacht im Osten der Stadt dringend wieder regenerieren müssen, denen empfehle ich einen Besuch im Südwesten. Der Bezirk Zehlendorf ist sozusagen das für Berlin, was Schwabing für München ist. Zwar nicht ganz so viele Edelgeschäfte aber dafür endet das „teure“ Ende des Kudamms direkt in Zehlendorf und die Bewohner dieses Bezirks sind zweifelsohne diejenigen, die in Berlin über die nötige Kaufkraft für solcherlei Konsum besitzen. In Zehlendorf kann man herrliche Spaziergänge zwischen Wannsee und Grunewald unternehmen, und dabei völlig umsonst und schamlos die zum Teil wirklich pompösen Villen der Schönen und Reichen bewundern. Viele Botschafter haben hier ihre Privathäuser und vor auffällig vielen Grundstücken parken Minis, Jaguare und Lamborghinis. Das Schlosshotel im Grunewald, in dem die deutsche Nationalelf während der WM wohnte befindet sich übrigens auch mitten in diesem Wohnviertel im Grünen.



Als krassen Gegensatz dazu muss man noch Neukölln nennen, denn Berlin ist auch eine Stadt der Gegensätze. Dieser Stadtteil hat mit dem Wedding den höchsten Ausländeranteil und machte vor kurzem Schlagzeilen, als die Lehrer der dort ansässigen Rütli-Oberschule um Polizeischutz baten, da sie sich nicht mehr imstande sahen, mit den halbwüchsigen Schülern allein zurecht zu kommen. Sollte man sich als Berlinbesucher einmal zufällig nach Neukölln verirren, muss man zwar keine Angst haben, das Arbeiterviertel ist sicherlich nur halb so schlimm wie sein Ruf und es ist nicht so, als würde man an jeder Straßenecke überfallen, aber sollte man irgendwann mal das Bedürfnis haben im angetrunkenen Zustand jemanden anpöbeln zu wollen, dann sollte man sich vielleicht besser von Neukölln fernhalten, wenn einem das eigene Leben lieb ist. Zweifelsohne hat aber auch dieser Bezirk ein ganz bestimmtes Flair und man kann hier mit Sicherheit auf die typischsten und lustigsten Urberliner treffen.

Die Berliner an sich sind sowieso ein sehr lustiges Völkchen mit ihrem ganz eigenen Charme. Den Berliner Jargon lernt man erst dann wirklich kennen, wenn man mal gehört hat, wie ein echter Berliner Hausmeister spricht, oder eine Schöneberger Mutter aus dem Fenster nach ih
rem Kind hat brüllen hören. Für alle die sich das nicht vorstellen können, für diejenigen werde ich an dieser Stelle mal den Neuköllner Comedian Kurt Krömer zitieren:

Und wenn ick dann bei mir am U-Bahnhof Hermannplatz austeije, und wenn ick dann dort schon den smarten BVG-DJ an seenem Pult stehen sehe, der da mit sanfta Stimme meenen absoluten Lieblingssatz ins Mikrofon haucht: MIT DEN FAHRRAD NÜSCH IN ERSTEN WAAAAJEN!!!! ....ja dann weeß ick, ick bin wieda zuhause!


Anmerkung der Redaktion:
Ihr seid herzlich dazu eingeladen, Eure Impressionen zu den Bundesländern, die wir Euch vorstellen hier wiederzugeben. Solltet Ihr Interesse daran haben, selber Euer Bundesland vorstellen zu wollen, ist das kein Problem, denn noch sind nicht alle Länder vergeben. Wer also Lust hat, über Eigenwilligkeiten, Besonderheiten oder etwas ganz anderes zu schreiben, ist willkommen und kann sich einfach an DoubleSmile85 wenden.
geschrieben von Trulla am 02.08.2006