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Artikelserie "Mein Bundesland"

Mecklenburg Vorpommern

„As uns´ Herrgott de Welt erschaffen ded,
fung hei bi Meckelnborg an,
un tworsten von de Ostseesid her,
un makte dat eigenhändig fahrig,
up de ein Sid bet Ratzeborg un Swerin,
up de anner Sid bet Stemhagen un Bramborg,
un wis'te sine heilige Engel,
wo´t makt warden müßt, un redte tau ehr un säd,
sei süllen´t so wider maken.“
(Fritz Reuter 1810-1874, „De Urgeschicht´ von Meckelnborg“, Irstes Kapittel; um 1860)

Da haben wir es nun schwarz auf weiß: Die Weltschaffung begann laut eines der berühmtesten einheimischen Literaten im schönen Mecklenburg Vorpommern. Dem will WebUni im nichts nachstehen und wird in einer neuen Serie die 16 deutschen Bundesländer – angefangen bei MV - nacheinander vorstellen.

„Leben, wo andere Urlaub machen!“ lautet das Motto in der Region um und in Greifswald. Und in der Tat, wer schon ein Mal in Mecklenburg Vorpommern war, der weiß, wovon hier gesprochen wird. Die Augen auf den weiten Meereshorizont gerichtet, mit jedem Atemzug den Wellen ein Stück näher. Der Wind fegt durch das Haar und kleine Fußabdrücke im weißen Strandsand. Martha Müller Grählert (1876 – 1939) schrieb es einst in folgenden Worten nieder:

Ostseewellen („Plattdütsch“ )
Wo de Ostseewellen trecken an den Strand,
Wo de geele Ginster bleugt in’n Dünensand,
Wo de Möwen schriegen grell in’t Stormgebrus,
Da is mine Heimat, da bün ick to Hus.

(Hochdeutsche Übersetzung:
Wo die Ostseewellen ziehen hin zum Strand,
Wo der gelbe Ginster blüht im Dünensand,
Wo die Möwen schreien schrill im Sturmgebraus
Da ist meine Heimat, da bin ich zu Haus.)


Wenn wir etwas haben, dann sind das endlose unbewohnte Landstriche, 1700 km Küste, Sandstrände, Steilküsten und Meh(e)r. Es gibt sage und schreibe 1.744.624 „Muschelschubbser“, „Klippenlutscher“ und „Fischköpfe“ hier. Sie machen dabei 2,1 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung aus, die auf rund 6,5 Prozent deutschem Boden sich verteilt. Es leben somit 76 Leutchens auf einem Quadratkilometer – so wenig wie in keinem anderen Bundesland. Dem Problem, Spitzenreiter in Arbeitlosenquoten zu sein, ist sich Mecklenburg Vorpommern sehr wohl bewusst und kämpft energisch „für den Abstieg“ aus diesem Tabellenplatz.


Unser Wappen – der Stier und der Greif – sind jeweils die Hoheitstiere von Mecklenburg und Vorpommern. Unser Land ist wie die anderen neuen Bundesländer nach dem zweiten Weltkrieg Opfer der Neuaufteilung Deutschlands geworden. Erst mit der Wiedervereinigung 1990 besannte man sich auf eine gleichberechtigte Zusammenführung der Glieder Mecklenburg und Vorpommern. Der Stier war in Mecklenburg historisch gesehen gleich zwei Mal vertreten. Er erinnerte nun der Teilung Mecklenburgs in zwei Großherzogtümer und wurde doppelt auf dem Wappen verewigt. Doch eine geschichtliche Berechtigung für einen zweiten roten pommerschen Greifen gab es nicht. Wohlaber die schicksalhafte Verbindung zu Brandenburg, die das vierte Feld in unserem Landeswappen mit dem roten brandenburgischen Adler zu füllen berechtigt war. [/img]

Wer einst dem Land ein Auge geschenkt hat, dem sollte wohl aufgefallen sein, dass es in den norddeutschen Bundesländern etwas gibt, was diesen besonderen Flair ausmacht. Es ist die rote Backsteinarchitektur, auch Backsteingotik genannt, die sich entlang der norddeutschen Küste bis über Polen und gar Lettland und Litauen erstreckt. So ziemlich in jedem Ort sind ehemals wie auch gegenwärtig wichtige Institutionen in solch Gemäuern untergebracht.

Ein weiteres Wahrzeichen dürften wohl die vielen Hansestädte entlang der Küste sein. Einhergehend mit den vielen Häfen – angefangen in Wismar, Rostock über Stralsund und Wolgast – bietet dieser wirtschaftliche Zweig eine Zukunft. Doch der landwirtschaftliche Sektor ist einer der traditionellsten und wird auch in Zukunft seine wichtige wirtschaftliche Rolle behalten. Die hauptsächliche Einnahmequelle ist jedoch der Tourismus. Mecklenburg Vorpommern kann sich wie kein anderes Bundesland über so gute und stabile Urlauberzahlen freuen.

Die Zukunft soll aber nicht nur im Tourismus liegen. In Rostock eröffnete jüngst das „Biotechnologie und Medizintechnik Zentrum“. Nebst der in Greifswald vorhandenen modernsten Universitätsklinik mit dem Klinikneubau wird Mecklenburg Vorpommern zukünftig auf der von der modernen Technologie vorangetriebenen Welle mitreiten – wenn nicht auch Vorreiter werden.


Doch fernab all' dieser hochtechnologisierten Welt bietet das Land seinen Einwohnern wie auch Besuchern eine ganz andere Seite. Eine Welt aus Burgen und Schlössern, wie sie zu Hauf' überall verstreut sowie auch zum Beispiel in der Landeshauptstadt Schwerin oder Ludwigslust zu finden sind. Nicht die großen Dinge lassen die Herzen erfreuen. Wer sich in Mecklenburg Vorpommern wohlfühlen möchte, sollte seine Augen immer für die kleinen Dinge im Leben öffnen. Kleine verschlossene ländliche Idyllen, wunderschöne maritime Häfen und der unvergessliche Wind.
Sind es nicht die natürlichen Gegebenheiten, so sind es oftmals die Einheimischen, geprägt durch ihre Verbindung zum Land, die die Menschen die Welt durch andere Augen sehen lassen.


Anmerkung der Redaktion:

Ihr seid herzlich dazu eingeladen, eure Impressionen zu den Bundesländern, die wir euch vorstellen hier wiederzugeben. Solltet ihr Interesse daran haben, selber euer Bundesland vorstellen zu wollen, ist das kein Problem, denn noch sind nicht alle Länder vergeben. Wer also Lust hat, über Eigenwilligkeiten, Besonderheiten oder etwas ganz anderen zu schreiben, ist willkommen und kann sich einfach an DoubleSmile85 wenden.
geschrieben von DoubleSmile85 am 29.05.2006