In Köln studieren bedeutet zumeist, selbst Kölner zu werden - es sei denn, man war';s bereits. Mit dem Einzug in eine Kölsche Studentenbude (die meist klein und sehr überteuert ist) setzt ein schleichender Prozess der Integration ein, der einem vielleicht erst bewusst wird, wenn man am Karnevalsdonnerstag des Nachmittags sturzbetrunken aus der zehnten Kneipe wankt. Oder wenn man die Rheinmetropole wieder verlässt und beim Vorüberziehen der Domspitzen eine leise, wehmütige Stimme in einem grummelt: Et kütt, wie et kütt!
Stadt der Medien
Neben dem zweitgrößten Straßenkarneval der Welt hat insbesondere die Medienlandschaft Kölns Image geprägt. In der Tat wird man gerade in Stadtteilen wie Lindenthal, die üblicherweise von Studenten bevölkert sind, häufig Opfer von Dreharbeiten. Andererseits ist es nicht so, dass der ohnehin mittellose Student am Fernsehen sparen kann, weil er an jeder Ecke einem prominenten Gesicht begegnet. Ab und zu allerdings passiert es, dass man etwa einen TV-Staatsanwalt ganz ungewohnt léger in einer Bar antrifft, die Robe gegen ein grenzwertiges Hemd getauscht, mit Dreitagebart, Weizenglas und Kippe bewaffnet. Sicherlich eine Undercover-Ermittlung.
Stadt des Fußballs
Der Kölner an sich liebt den Fußball, auch wenn der FC unter dem Regime von "Prinz Poldi" mal wieder in Abstiegsgewässern dümpelt. Denn: irgendwann steigt er auch wieder auf, und das kann dann gebührend begossen werden. Überhaupt hängen Kölsch und FC zusammen wie Funken und Dreigestirn. Keinesfalls darf man sich als Fan anderer, womöglich höher plazierter Ligisten outen. Das wird im glimpflichsten Fall mit abfälligen Blicken geahndet, für gewöhnlich aber wird man von seinen Kölschen Mitbewohnern rigoros ins Düsseldorfer Exil verbannt. Analog gilt, dass man (zumindest in Brauhäusern) niemals etwas anderes als Kölsch bestellen darf, denn das zieht meist Lokalverbot nach sich. Am besten, man verrät nicht, wo man herkommt und hat von Pils noch nie etwas gehört.
Stadt des Karneval
Eine traumatische Erfahrung, durch die man durch muss: die WG rüstet zum Karneval. Das klingt erstmal so erfreulich wie eine Wurzelbehandlung. Es werden alberne Kostüme gebastelt, zehn Kästen Bier bestellt und die Betten frisch bezogen. Denn vor allem anderen ist der Kölner Karneval eine Real Life-Version von "Frauentausch". Millionen Menschen werden über Nacht zu Singles. Wozu dann eigentlich all der Stoff, wenn ein freundliches "Hey Alte(r), f****n?" genügte? Nun, die meistbesungene Stadt Deutschlands hat nicht unbedingt auch die größten musikalischen Talente für sich gepachtet, und gerade frischgebackenen Kölnern ist nicht anzuraten, zum Höhepunkt der fünften Jahreszeit nüchtern das Haus zu verlassen. Wer Kölner sein will, muss halt den Karneval lieben. Und das geht nur alkoholisiert. Sonst nervt nicht nur die Mucke, sondern auch das Gedrängel und die albernen Kostüme - von der ganzen betrunkenen Horde Karnevalisten mal ganz zu schweigen.
Stadt der Hochschulen
Mit etwa 100.000 Studenten versammelt Köln die größte Population von angehenden Akademikern im gesamten Bundesgebiet. Entsprechend ist die Stadt nicht nur sehr multikulturell geprägt, sondern auch sehr junggeblieben. Am häufigsten trifft man wohl BWLer und Sportstudenten (welche sich verlässlichen Quellen zufolge hauptsächlich durch Frisbee-Spielen auf ihre spätere verantwortungsvolle Position in - wo-auch-immer vorbereiten). Natürlich sind auch Vertreter so ziemlich aller anderen Fachrichtungen zu verzeichnen. An den vielen tropisch heißen Sommertagen versammelt sich dann gut die Hälfte davon auf den Wiesen rund um die Universität zum Grillen. Klischeehafter studieren geht nirgends.
Mal ehrlich - wer, außer mir selbstredend, zieht schon wegen des Studiums nach Köln?!
Stadt des Doms
Das Wahrzeichen der Stadt, nicht ganz so alt wie der in Magdeburg, dafür umso eindrucksvoller. Meist sieht man nur die Hälfte davon, während der andere Teil im Zuge extensiver Sanierungsarbeiten von Gerüsten umgeben ist. Die Domplatte selbst, welche seine Fundamente birgt, ist das beste Beispiel für die abenteuerlichen und ästhetisch fragwürdigen Baumaßnahmen, welche dem im Krieg zu 90% zerstörten Köln seine heutige Gestalt gaben. Sprich: verlässt man den Hauptbahnhof und geht die paar Schritte bis zum Dom, hat man definitiv das Beste an Köln mitgenommen. Zu Recht ist der spätgothische Megalith der Stolz der Einheimischen. Abschließend bleibt zu erwähnen, dass sich an der Marke "Dom Kölsch" die Geister scheiden.
Fazit
Sicher gibt es noch viel mehr zu sagen. Die Essenz dieser knappen Synopse, und da würden wenige Kölner Studenten widersprechen, bleibt: Ein Studium in Köln ist zu empfehlen - außer für Düsseldorfer. Auch wenn man sich erst mit vielen Marotten der Rheinländer abfinden muss: diese Stadt hat Charme. Wem allerdings Selbstdisziplin Schwierigkeiten bereitet, der sollte sich besser nach Alternativen umsehen. Außer, er studiert Sport.
Ich möch zo Fooß noh Kölle gohn!

Im Rahmen der jüngst begonnenen Artikelserie über Hochschulstädte jenseits der Stadtgrenzen Magdeburgs wurde ich gebeten, mich über meine Eindrücke während des Erststudiums in Köln zu äußern. Um nicht Äpfel mit Birnen vergleichen zu müssen (studierte ich zuvor an der Fachhochschule, verschlug es mich hier an die Uni), möchte ich diesen Beitrag als Erfahrungsbericht und Überlebensratgeber für Nicht-Kölner verstanden wissen, und nicht als Nachsatz eines Hochschul-Rankings. Ein Blick auf Köln also, der nur bedingt weiterhilft.
geschrieben von Gerd am 24.04.2006